Thomas Angeli beobachtet

Der Energie- und Umwelt-Blog

AKW Beznau: Haarspalterei zum Jubiläum

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Beim AKW Beznau 2 ist innerhalb von neun Tagen gleich zweimal ein Ventil eines Dampferzeugers ausgefallen, was zu einer automatischen Schnellabschaltung führte. Was AKW-Betreiber und die Aufsichtsbehörde Ensi verschweigen: Schon 2007 musste Beznau 2 wegen Problemen mit einem Dampferzeugerventil notfallmässig abgeschaltet werden.

beznau_3c2fc8b262Zwei Schnellabschaltungen innerhalb von neun Tagen musste die Axpo als Betreiberin des AKWs Beznau dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) melden. In zwei Medienmitteilungen vermeldete darauf das Ensi, «bei der Regelung des Speisewassers im nicht nuklearen Teil von Block 2» sei eine Störung aufgetreten: «Diese führte in den Dampferzeugern zu einem niedrigeren Wasserstand, wodurch eine automatische Schnellabschaltung des Reaktors ausgelöst wurde.»

Wer in der Geschichte der Schnellabschaltungen in Beznau bloss etwas mehr als zwei Jahre zurückblättert, stösst auf ein praktisch identisches Ereignis: Am 10. August 2007 war beim Herunterfahren des Reaktorblocks 2 in Beznau eine Schnellabschaltung ausgelöst worden, «weil der Wasserfüllstand auf der Sekundärseite eines Dampferzeugers zu hoch anstieg», wie die Aufsichtsbehörde damals in ihrem Jahresbericht meldete.

Frage deshalb an Ensi-Mediensprecher Anton Treier: Handelt es sich um eine Störung am gleichen Teil der Anlage?

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Geschrieben von Thomas Angeli

5. November 2009 um 19:22

Pretty smart, Mister President

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Manchmal gehen wichtige Meldungen im grossen digitalen Rauschen selbst dann unter, wenn sie von nicht ganz unwichtigen Akteuren der Weltgeschichte lanciert werden. So geschehen Ende Oktober, als US-Präsident Barack Obama bekanntgab, er wolle 3,4 Milliarden Dollar in eine «Strom-Revolution» stecken und damit das amerikanische Elektrizitätsnetz grundlegend erneuern. In der Schweiz war diese Ankündigung gerade mal drei Zeitungen ein paar wenige Zeilen wert.

Nun kann man zu Recht argumentieren, dass 3,4 Milliarden Dollar zur Erneuerung einer maroden Infrastruktur in einem Land wie den USA nicht eben revolutionär viel ist. Die Summe entspricht etwa einem Promille (!) des Betrags, den die Vereinigten Staaten bisher für den Krieg im Irak ausgegeben haben.

Interessant an der Meldung sind demnach weniger die 3,4 Milliarden Dollar, sondern vielmehr die Projekte, für die sie eingesetzt werden sollen. Mit dem Geld aus dem Staatsfonds sollen unter anderem rund 100 Projekte für so genannte «Smart Grids» unterstützt werden – «intelligente» Stromnetze, bei denen Stromproduktion und -Verbrauch besser aufeinander abgestimmt sind. Dank Smart Grids kann die Produktion von Strom aus erneuerbaren Energiequellen – etwa von Photovoltaik-Anlagen auf Hausdächern – oder von privat betriebenen Blockheizkraftwerken von einer zentralen Schaltstelle aus gesteuert und dem aktuellen Bedarf angepasst werden.

Voraussetzung für Smart Grids sind die «Smart Meters», intelligente Strommessgeräte, die den Benutzern einerseits den aktuellen Verbrauch anzeigen (und so zum Stromsparen animieren), und diesen in Echtzeit in die Steuerzentrale übertragen, damit die Stromproduktion exakt dem Bedarf angepasst werden kann. 18 Millionen davon sollen nun dank staatlicher Unterstützung in amerikanischen Haushalten installiert werden.

Während man also in den USA investiert und sich in Deutschland unlängst der Autobauer VW und der Ökostromanbieter Lichtblick für ein riesiges Smart-Grid-Projekt zusammengeschlossen haben, herrscht in der Schweiz eine gespenstische Funkstille. Den von den Stromversorgern betriebenen Online-Plattformen energiedialog.ch (Axpo) und immergenugstrom.ch (Alpiq), in denen es laut Eigenwerbung um die «Energiezukunft der Schweiz» geht, waren Smart Grids bisher keine Zeile wert. Die Infrastruktur der grossen Elektrizitätsversorger ist auf den lukrativen Stromhandel ausgerichtet und soll dies mit dem Bau neuer AKWs auch während der nächsten Jahrzehnte bleiben. Intelligente Lösungen für eine dezentrale Stromproduktion haben in diesem Denken wenig Platz, und inländische Produzenten von Smart Meters müssen ihre Absatzmärkte im Ausland suchen. Die Pionierarbeit bleibt kleinen EWs überlassen.

Da erinnert man sich unweigerlich daran, dass die Schweiz einst bei den Photovoltaikanlagen eine der höchsten Dichten der Welt hatte, mittlerweile aber gnadenlos ins Hintertreffen geraten ist, weil weder die Politik noch die Stromwirtschaft daran Interesse hatten. Es ist zu befürchten, dass sich die Geschichte wiederholen wird.

Geschrieben von Thomas Angeli

2. November 2009 um 09:45

Ein Viertelherz für Kaffeetrinker

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Kann man frühmorgens schon vor dem ersten Schluck Kaffee ein gutes Gewissen haben? Ja, vermeldet das Bundesamt für Energie (BFE) in einer Medienmitteilung pünktlich zum «Energy Day 09». Ab sofort, so die frohe Botschaft, würden nebst Geschirrspülern, Waschmaschinen. Kühlschränken und Autos auch Kaffeemaschinen mit einer Energieetikette gekennzeichnet. Vorbei also die Zeiten, als man den Tag mit einem schlechten Gewissen begann, weil das lebenswichtige Haushaltgerät die ganze Nacht fleissig und mit viel Strom das Wasser nah am Siedepunkt gehalten hatte. Ab sofort kann jeder und jede Koffeinjunkie beim Kauf einer neuen Kaffeemaschine auf den ersten Blick erkennen, wie effizient diese arbeitet. «Energiebewusst geniessen» sei nun möglich, verspricht das BFE.

Wer sich nun freut, dass er sich künftig nur noch wegen der Aluverpackung des Kaffeepulvers ein klein wenig als Umweltsünder fühlen muss, tut dies zu früh. Ganz am Schluss der Medienmitteilung vermeldet das BFE nämlich, dass die Etikette vorerst nur «auf freiwilliger Basis» eingeführt werde, bis ein europäischer Standard vorliege.

Eine Deklaration auf freiwilliger Basis? Das hatten wir doch schon einmal. Als die Energieetikette im Jahr 2002 für Haushaltgeräte wie Kühlschränke und Geschirrspüler einführte, stellten Konsumenten- und Umweltschutzorganisationen nach einem knappen Jahr fest, dass nur rund die Hälfte der Geräte korrekt deklariert waren. Erst die Einführung des Obligatoriums verbesserte die Situation, und selbst dies nur schleppend.

«Damit die Etikette etwas bringt, muss sich obligatorisch sein, und es braucht zwingende Mindestanforderungen an die Geräte», erklärt der Zürcher Energieberater Conrad U. Brunner, Mitglied der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz (SAFE). Die freiwillige Etikette für Kaffeemaschinen sei keine halbherzige Lösung, sondern «bestensfalls eine viertelherzige. Ein halbes Herz hat immerhin eine Kammer, die funktioniert.»


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Geschrieben von Thomas Angeli

24. Oktober 2009 um 07:32

Klimaforscher Reto Knutti: «Es ist nicht alles verloren, wenn Kopenhagen scheitert»

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image KnuttiETH-Klimaforscher Reto Knutti sieht der Welt-Klimakonferenz nicht mit übermässigem Optimismus entgegen. Letztlich aber sei alles eine Frage des Umgangs mit dem CO2-Budget, findet er.

Herr Knutti, an der Klimakonferenz in Kopenhagen wird es im Dezember vor allem darum gehen, ob die Menschheit es schafft, dass sich die Erde im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter um nicht mehr als 2 Grad erwärmt. Aus der Sicht des Klimaforschers: Wie realistisch ist dieses Ziel?

Reto Knutti: Das ist nicht primär eine Frage der Klimaforschung, sondern der Politik. Es gibt Szenarien für eine Wirtschaftsentwicklung, die aussagen, dass die 2 Grad möglich sind. Es ist allerdings ein äusserst ambitiöses Ziel. Ob wir es erreichen, ist im Wesentlichen eine Frage des Willens und der Bereitschaft, Geld zu investieren. Es gab in der Vergangenheit Beispiele, wo man ähnliche Ziele erreichte. Das Ozonloch etwa bekam man mehr oder weniger in den Griff, wobei das wesentlich simpler war, als das Klima zu retten. Man konnte einfach Kühlschränke mit anderen Kühlmitteln bauen. Beim Klima hingegen sieht es im Moment eher düster aus. Man hat das Gefühl, dass der politische Wille nicht da ist. Es gibt zu viele partikuläre Interessen, und es geht um Geld und Macht. Dazu kommt die heikle Frage, um wie viel die einzelnen Länder ihren Ausstoss reduzieren müssen.

Optimismus tönt anders.

Im Moment sieht es tatsächlich eher schlecht aus. Aber letztlich werden wir auch erst in 50 oder 100 Jahren wissen, was die Massnahmen, die allenfalls in Kopenhagen beschlossen werden, tatsächlich gebracht haben. Es ist nicht alles verloren, wenn die Verhandlungen in Kopenhagen scheitern. Falls ein oder zwei Jahre später die richtigen Entscheide gefällt und umgesetzt werden, dann ist es immer noch möglich, das Ziel zu erreichen. Kopenhagen entscheidet nicht über Untergang oder Weiterleben. Wichtig ist, wie wir langfristig mit unserem CO2-Budget umgehen.

Das heisst?

Wenn wir die 2 Grad erreichen wollen, dann haben wir weltweit nur noch eine bestimmte Menge CO2 zugut, die wir ausstossen dürfen. Für die Zeit zwischen den Jahren 2000 bis 2050 sind das rund 1000 Milliarden Tonnen CO2. Sollte es nun in Kopenhagen zu keiner Einigung kommen, so bedeutet das, dass wir weiterhin viel von diesem Budget «aufbrauchen» und später den Gürtel entsprechend enger schnallen müssen. Wenn wir früher mit Sparen anfangen, haben wir später noch etwas mehr übrig. Je länger wir warten, desto schwieriger wird es, mit dem Rest noch auszukommen.

Um bei Ihrem Bild zu bleiben: Wenn ich lange Zeit viel Geld zur Verfügung habe, dann fällt es mir doch umso schwerer, wenn ich plötzlich nur noch ganz wenig ausgeben kann.

Genau. Wenn ich Ende Januar die Hälfte meines Jahresbudgets ausgegeben habe, dann habe ich spätestens Ende Jahr ein ernsthaftes Problem. Aber es gibt nicht einen bestimmten Stichtag im Februar, an dem ich sagen muss: «Jetzt bin ich verloren», sondern es wird einfach graduell immer schwieriger, mit dem verbleibenden Geld auszukommen. Und genau so verhält es sich auch bei fossilen Ressourcen.

Die Aussage «Jetzt oder nie», die man im Hinblick auf Kopenhagen immer wieder hört, würden Sie also nicht unterschreiben?

Nein. Aber es ist klar, dass bei einem Nullentscheid in Kopenhagen die Situation immer schwieriger wird. Jedes Jahr, das wir zuwarten, bringt uns in eine verworrenere Situation, in der wir uns noch mehr anstrengen müssten, um das 2-Grad-Ziel zu erreichen. Unabhängig von den Zahlen hat Kopenhagen wie Kyoto aber auch Signalcharakter: wenn wir jetzt nicht beweisen dass ein internationales Abkommen grundsätzlich möglich ist, wird es fraglich warum wir auf eine Einigung später hoffen sollten.

Sind das nicht frustrierende Aussichten, wenn man tagtäglich mit dem Thema zu tun hat und weiss, was notwendig wäre?

Als Klimawissenchaftler kann man die Welt nicht retten. Wir können nur die Informationen liefern, damit Gesellschaft, Wirtschaft und Politik möglichst die besten Entscheidungen treffen können. Wenn unsere Informationen nicht ernstgenommen werden, dann ist das zwar frustrierend, aber wir können wenig dagegen machen. In diesem Sinne mache ich unter Klimaforschern weder Panik noch grosse Vorfreude aus. Wir sind nicht Greenpeace, die sich vor das Bundeshaus setzen und Aktivismus vorleben. Als Klimawissenschaftler sorge ich mich zwar um den Zustand der Umwelt, aber ich habe keine politische Agenda.

Professor Reto Knutti, 36, erforscht an der ETH Zürich Veränderungen im globalen Klimasystem, die durch den steigenden menschlichen Ausstoss von Treibhausgasen wie Kohlendioxid verursacht werden.

Mehr zum Thema Klimaforschung lesen Sie in der nächsten Ausgabe von BeobachterNatur. Das Heft ist ab dem 13. November am Kiosk erhältlich.


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Geschrieben von Thomas Angeli

15. Oktober 2009 um 07:02

Veröffentlicht in Interview

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Stromlückenlose Verlängerung

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Alles halb so wild? Ist die «Stromlücke», die uns die Stromkonzerne seit einigen Jahren einzureden versuchen, vielleicht gar nicht so schlimm? Der Verdacht keimt auf, wenn man das Communiqué der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Ständerats über ihre Beratungen zu einer «Strategie für Grosskraftwerke» liest. Die Stromproduzenten, so heisst es in der Mitteilung vom 6. Oktober, erachteten «die Frage der Stromlücke und damit der Versorgungssicherheit als weniger dringlich als bisher angenommen und also auch den Bau von Gaskombikraftwerken».

Wie war das gleich noch mal? Hat nicht Alpiq-Chef Giovanni Leonardi schon vor drei Jahren in der «SonntagsZeitung» gewarnt, die bestehenden Kraftwerke könnten «die Nachfrage in Spitzenzeiten nur knapp und bald gar nicht mehr decken»? Erklärte nicht BKW-CEO Kurt Rohrbach Mitte 2008 im «SonntagsBlick», mit Stromausfällen müssten wir «jetzt schon rechnen»? Und stiess nicht Axpo-CEO Heinz Karrer vor knapp vier Monaten in der «Handelszeitung» noch einmal ins gleich Horn, als er drohte, schon im nächsten kalten Winter könnte der staatliche französische Energiekonzern EdF unter Umständen den Atomstrom-Hahn für eine gewisse Zeit abstellen?

Um es gleich vorwegzunehmen: Die Strombosse erachten die «Stromlücke» weiterhin als «unbestritten» (Karrers Mediensprecherin Anahid Rickmann), glauben, dass sie «weiterhin besteht» (Leonardi) und sehen «drastische Versorgungsengpässe» (Rohrbach). Das zeigt eine kurze Umfrage bei den Medienstellen.

Was auf den ersten Blick als Kehrwende erscheint, entpuppt sich demnach bei genauerem Hinsehen als argumentative Wegbereitung für etwas ganz anderes: Die AKW-Betreiber versuchen, das Terrain für eine Verlängerung der Laufzeiten ihrer Atommeiler zu ebnen. Die ständerätliche Kommission, so heisst es in deren Communiqué nämlich weiter, habe «mit Interesse» von der Einschätzung der Stromproduzenten Kenntnis genommen, «dass die ersten Kernkraftwerke nicht wie bis anhin angenommen 2020 vom Netz gehen sollen, sondern erst fünf Jahre später». Konkret: Beznau I (Inbetriebnahmen 1969), Beznau II (1971) und Mühleberg (1972) sollen noch länger als bisher kommuniziert in Betrieb bleiben – wobei bei Mühleberg der Entscheid für eine unbefristete Betriebsbewilligung über das Jahr 2012 hinaus noch nicht einmal gefällt ist.

Dass es sich durchaus lohnt, mit der Drohung einer «Stromlücke» eine Verlängerung der Laufzeiten zu erstreiten, zeigt eine Berechnung der Landesbank Baden-Würtemberg. Sie hat kürzlich gemäss der «Süddeutschen» errechnet, wie hoch die zusätzlichen Gewinne der drei AKW-Betreiber Eon, RWE und EnBW wären, könnten diese ihre 17 Nuklearmeiler zehn weitere Jahre laufen lassen. Das Resultat: 18 Milliarden Euro (rund 27 Milliarden Franken).
Wie sagte doch gleich der ehemalige deutsche Umweltminister Jürgen Trittin im Beobachter: «Alte Atomkraftwerke sind Gelddruckmaschinen.» Da wundert sich niemand mehr, wenn Schweizer AKW-Betreiber schon mal in der kleinen Kammer etwas antichambrieren.


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Geschrieben von Thomas Angeli

8. Oktober 2009 um 14:40

Die PR-Öko-Trophy

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peugeot-308-1Der französische Autobauer Peugeot beglückt die Welt in diesen Tagen mit einem ganz besonderen Ereignis: An der «Peugeot Umweltmeisterschaft» sollen acht Zweierteams in je einem Peugeot 308 HDI FAP 110 mit 60 Litern Benzin von Saarbrücken nach Barcelona fahren. In der katalonischen Hauptstadt wird dann auf einem abgesperrten Rundkurs gefahren, bis der Tank leer ist. 60 Liter Benzin auf 1156 Kilometer, das entspricht einem Durchschnittsverbrauch von 5,2 Litern pro 100 Kilometer.

Bloss: Was ist weltmeisterlich daran, acht mit fossilem Treibstoff angetriebene Autos quer durch Europa fahren zu lassen? Und darf sich jemand, der drei Tage hinter dem Steuer sitzt und dabei rund 140 Kilogramm CO2 produziert, am Schluss «Umweltmeister» nennen?

Tatsache ist, dass der französische Autobauer, der sich diese PR-Übung ausgedacht hat, bisher nicht eben durch übermässiges Engagement für umweltfreundliche Technologien aufgefallen ist. Ein Hybridfahrzeug jedenfalls ist in der Produktepalette nicht zu finden. Einzig mit den mit Erdgas betriebenen Modellen schafft es Peugeot in der aktuellen Auto-Umweltliste des VCS in die Top Ten.

Da würde sich vielleicht für die «Umweltmeister»-Aspirantinnen und -Aspiranten ein Umweg über Zürich lohnen. Dort forscht man an der ETH seit Jahren an sparsamen Autos. Die bisherige Bestleistung: 3826 Kilometer – mit der Menge Wasserstoff, die umgerechnet genau einem Liter Benzin entspricht. Mit der Energie der 60 Liter Benzin, die den potentiellen «Umweltmeistern» zur Verfügung stehen, könnte der PacCar II – zugegebenermassen theoretisch, da das Fahrzeug erst als nicht-serienreifer Prototyp existiert – rund 230 000 Kilometer fahren.

PS: Falls der Sprit nach dem ETH-Besuch nicht mehr bis Barcelona reichen sollte, sei den Öko-Rally-Piloten hiermit eine Alternative empfohlen: Der Talgo 274 fährt täglich um 19.27 Uhr ab Gleis 18 von Zürich in die katalonische Metropole, Ankunft um 9.43 Uhr.


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Geschrieben von Thomas Angeli

11. September 2009 um 08:31

Eis schmelzen leichtgemacht, die Fortsetzung

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EisblockDie Eisblockwette auf dem Berner Waisenhausplatz ist zu Ende, das Resultat steht fest: Vom 1-Tonnen-Block, der in einem nach Minergie-P-Standard isolierten Häuschen seit dem 12. August vor sich hinschmolz, sind 60 Kilogramm Eis geblieben. Ein identischer Block in einem schlecht isolierten Häuschen war bereits am 28. August verschwunden. Den Abschluss der Aktion, die für den Minergie-P-Standard bei Bauten werben und gleichzeitig die Bevölkerung für Klimaschutz sensibilisieren sollte, bildete eine wenig klimafreundliche Wägeaktion: Mit einer an einem Kranwagen angehängten Waage wurde das Gewicht des verbleibenden Eisblocks gewogen.
Auf nicht eben klimafreundliche Weise – per Helikopter – war am 12. August auch ein Eisblock auf den Triftgletscher transportiert worden. Das Resultat: Nach rund 71 Stunden hatten laut Webseite «lausbübisches Handanlegen» und die «brennende Sonne» dem Spuk den Garaus gemacht.
Nun machen die Organisatoren aber klar, dass sie sich von solchen Misserfolgen nicht von ihrem Plan abbringen lassen: Am 9. September, so kündigen sie auf ihrer Webseite an, werde auf dem Grindelwaldgletscher die nächste Wette gestartet. Auf dass weiter im Namen des Klimaschutzes Eisblöcke in der Gegend herumgeflogen werden.


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Geschrieben von Thomas Angeli

4. September 2009 um 10:43

Eine Friedensnobelpreisträgerin «up in arms»

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Ein rotes Tuch für Diktatoren, ein Vorbild für Millionen Menschen: Die Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai hat ein Leben lang in Afrika für Umweltschutz und Menschenrechte gekämpft – und dabei weder den Humor noch die Hoffnung verloren. Eine Begegnung mit einer Kämpferin.

maathai_7252f6fa48Die Professorin für Biologie an der Universität Nairobi gründete Mitte der 70er-Jahre gemeinsam mit anderen Frauen das «Green Belt Movement», die «Grün-Gürtel-Bewegung»: Mit der Verteilung von Baum-Setzlingen versuchte sie, die Probleme im ländlichen Kenia zu bekämpfen: Lebensmittel- und Brennholzknappheit, Wassermangel und Rivalitäten aufgrund fehlender oder mangelnder Ressourcen. Die Bewegung entwickelte sich trotz Rückschlägen rasant und ist heute in weiten Teilen Afrikas bekannt: Rund 40 Millionen Bäume wurden in den vergangenen 30 Jahren dank dem «Green Belt Movement» gepflanzt.
Maathais Organisation war jedoch schon in den frühen Jahren weit mehr als eine Umweltbewegung: Mit ihrem Einsatz für Meinungsfreiheit und Demokratie war sie eine unerschrockene Herausfordererin für den kenianischen Diktator Daniel arap Moi. Mehr als einmal wurde die Kämpferin für Umweltschutz und Menschenrechte deshalb von Schergen des Regimes zusammengeschlagen und verhaftet.
Maathais Engagement fand jedoch schon bald weltweit Resonanz. Die Professorin ist Trägerin zahlreicher Auszeichnungen, darunter auch die prestigeträchtigste überhaupt: 2004 wurde Wangari Maathai mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
Stiller ist sie dadurch nicht geworden, im Gegenteil. Sie habe «immer noch ständig Probleme», erzählt sie und amüsiert sich köstlich darüber: «Wenn die Regierung Bestimmungen erlässt, die für die Umwelt schädlich sind, dann sind wir “up in arms” – natürlich nicht im wörtlichen Sinn!».

Lesen Sie dazu das Interview mit der Friedensnobelpreisträgerin in BeobachterNatur 3/09.

Webseite des Green Belt Movement


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Geschrieben von Thomas Angeli

3. September 2009 um 14:21

Klima der Hyperaktivität

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In der Klimapolitik fällt der Bundesrat vor allem durch Mutlosigkeit und Passivität auf. Andere hingegen sind aktiv. Sehr, sehr aktiv.

IMG_9707Im Kampf um Aufmerksamkeit gibt es zahlreiche Methoden, ins Geschäft zu kommen. Man kann etwa riesige Werbeaktionen laufen lassen (was viel Geld braucht), die Online-Welt mit Spam zukleistern (was wenig Geld braucht), Pressekonferenzen veranstalten, Eisblöcke schmelzen lassen, oder sonst irgendwie versuchen, sich in den Medien ein (Sende-) Plätzchen zu ergattern.
Greenpeace setzt auf das «sonst irgendwie». Die Umweltorganisation, die mit spektakulären Aktionen gegen Walfänger und Atomtests einiges erreicht hat, versucht die Erfolgsstrategien ihrer frühen Jahre nun auf das Thema Klimawandel anzuwenden.
In der vergangenen Woche, als der Bundesrat seine – zugegebenermassen mutlosen – Massnahmen zum Klimaschutz präsentierte, bezog Greenpeace ein «Klima Camp» auf dem Gornergletscher bei Zermatt – und bombardierte von dort aus Medien und Öffentlichkeit mit Meldungen über die eigenen Grosstaten.
«Unter grossem körperlichen Einsatz», so erfuhr die Welt etwa am 25. August, hätten Greenpeace-Aktivisten dort «die grösste Botschaft aller Zeiten» ausgelegt: Ein 140 auf 60 Meter grosses Transparent mit der Aufschrift «Our Climate – Your Decision», gerichtet an die Staatsoberhäupter der Erde.
Tags darauf erhielt dann der Bundesrat «Klartext zur Klimapolitik in Stein gemeisselt». Konkret: Unter Aufbietung aller verfügbaren – und willigen – Medien der Bundesstadt schraubten Greenpeace-Leute vor dem Bundeshaus in Bern eine Steinplatte fest (selbstverständlich vom Gornergletscher), auf der die Umweltorganisation ihre Forderungen an die Klimapolitik festhielt.
Doch damit nicht genug: Am Freitag erklommen fünf Greenpeace-Aktivisten aus dem Klima Camp die Dufour-Spitze und hissten dort – Überraschung! – ein Transparent. Und am Samstag baute man auf dem Gornergletscher aus Steinen ein drei Meter hohes «Mahnmandli» fürs Klima. Auch das war Greenpeace ein Communiqé wert.

Für den Klimagipfel im Dezember lässt dieses spätsommerliche Klima der Hyperaktivität Schlimmes erahnen. Was, wenn die Staatschefs der Welt sich in Kopenhagen ähnlich passiv verhalten wie der Bundesrat (was zu befürchten ist)? Wird dann das «Mahnmandli» auf Matterhorn-Höhe ausgebaut? Transportiert man das «Horu» samt eingemeisselter Botschaft nach New York und schraubt es dort vor dem Uno-Hauptsitz fest? Oder besteigt Greenpeace mit dem allerallerallergrössten Transparent aller Zeiten den Mount Everest? Wir warten gespannt.


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Geschrieben von Thomas Angeli

31. August 2009 um 08:30

Wie kalte Betten warm werden

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Bild AminonaDa staunt der Laie, und der Nicht-Walliser wundert sich: Am Montag hat der Gemeinderat von Mollens alle Einsprachen gegen das «Aminona Luxury Resort & Village» oberhalb von Crans-Montana abgelehnt. Der russische Konzern Mirax darf nun auf dem Hochplateau, wo schon über 33 000 kalte Betten stehen, ein Luxus-Feriendorf mit weiteren 900 Betten aufstellen. Im Endausbau sollen gar 2500 neue Betten oberhalb von Montana stehen.

Die Gemeinde Mollens zeigt damit, wie man gleichzeitig so tun als ob und es doch nicht lassen kann. Im Kampf gegen den grassierenden Zweitwohnungsbau und exorbitante Bodenpreise – zu Beginn des Jahrzehnts wurde oberhalb von Siders jährlich rund 1,4 Hektaren Land mit Zweitwohnungen zubetoniert – beschlossen die sechs Gemeinden auf dem Hochplateau im Jahr 2007, Baubewilligungen künftig nur noch zu erteilen, wenn mindestens 70 Prozent einer Liegenschaft dauernd bewohnt oder gewerblich genutzt werden. Der Entscheid, der mit einer überwältigenden Mehrheit zustande kam, wurde eben erst vom Bundesgericht abgesegnet.

Die Bestimmung würde damit auch in Mollens gelten. «Würde», denn die im Baureglement erwähnte «gewerbliche Nutzung» macht vieles möglich. Der Gemeinderat von Mollens (dessen Präsident laut «Le Temps» vor lauter Freude über die abgewiesenen Einsprachen «im Glück badet») verpflichtet den russischen Konzern, die Luxuswohnungen während mindestens 20 Jahren als Hotel zu betreiben – womit aus den «kalten» Betten im Handumdrehen «warme» werden. Gebaut werden darf zudem nur, wenn der Bund und der Kanton Wallis einer Befreiung von der Lex Koller zustimmen – worin der Kanton Wallis eine gewisse Übung hat. Umweltorganisationen haben bereits angetönt, dass sie die erteilte Baubewilligung allenfalls bis ans Bundesgericht bekämpfen wollen.

Vielleicht wären die Investoren aber auch sonst gut beraten, sich die Sache noch einmal zu überlegen. Ihre Luxusanlage wollen sie nämlich in unmittelbarer Nähe der drei markanten Hochhäuser von Aminona aufstellen. Dass dort überhaupt noch Platz ist, hat einen simplen Grund: Neben den drei Ferienwohnungs-Türmen hätten in den 70er-Jahren noch zwölf weitere hingeklotzt werden sollen. Den Investoren ging aber damals schlicht das Geld aus.


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Geschrieben von Thomas Angeli

26. August 2009 um 10:11