Thomas Angeli beobachtet

Der Energie- und Umwelt-Blog

Davos wäscht grüner

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Es sei an dieser Stelle zur Abwechslung einmal von sprachlichen Finessen die Rede, genauer: vom Komparativ. Der Ausdruck stammt vom lateinischen Verb «comparare» (vergleichen) und bedeutet nichts anderes als die erste Steigerungsform eines Adjektivs. Aus «grün» wird folglich im Komparativ «grüner» – eine Regel übrigens, die in der englischen Sprache praktisch gleich funktioniert.

Wie kreativ man mit einem simplen Komparativ umgehen kann, demonstriert uns in diesen Tagen das World Economic Forum (WEF) in Davos. Um zu zeigen, wie sehr sich die «World Leaders» nach dem von ihnen zum Scheitern gebrachten Klimagipfel von Kopenhagen um den Zustand des Planeten kümmern, dürfen während der Dauer des WEF nur Fahrzeuge in Davos verkehren, die maximal 230 Gramm CO2 pro Kilometer ausstossen, höchstens neun Liter Benzin auf 100 Kilometer verbrauchen oder mindestens die Energieeffizienzklasse D aufweisen. Die entsprechenden Karrossen erhalten einen Kleber an die Windschutzscheibe: «Greener Davos», grüneres Davos, steht darauf. Diese Fahrzeuge würden «umweltfreundliche Bedingungen erfüllen», schreibt die WEF-nahe «Davos Climate Alliance» auf ihrer Website.

Hallo, Davos? 230 Gramm CO2 pro Kilometer? Energieeffizienzklasse D? Auf welchem Planeten lebt die «globale Elite» eigentlich? Bedeutet das etwa, dass in früheren Jahren noch schlimmere Dreckschleudern zum Einsatz kamen? Oder will man bloss die Autosponsor Audi und VW – sie stellen dem WEF rund 270 Fahrzeuge zur Verfügung – nicht verärgern? Schliesslich gibt es Autobauer, die in Sachen umweltfreundlichere (Achtung: Komparativ!) Hybridfahrzeuge den deutschen Limousinenschmieden einiges voraus haben.

Dass der Ausdruck «grün» (oder, um in der Konferenzsprache zu bleiben, «green») mit diesem Konzept von «Umweltfreundlichkeit» etwas gar arg strapaziert würde, leuchtete offensichtlich auch den WEF-Organisatoren ein: «Greener Davos» klingt doch deutlich weniger verpflichtend als «Green Davos», aber immer noch irgendwie nach Umweltschutz.

Womit nicht bloss eine neue Spielart des «Greenwashing», also des Schönfärbens von Umweltsünden, sondern auch eine Nuance des grammatikalischen Komparativs ausgeleuchtet wäre: «Grüner» bedeutet nicht zwingend «mehr grün», sondern unter Umständen auch einfach «weniger wenig grün».


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Geschrieben von Thomas Angeli

29. Januar 2010 um 10:13

Jeder Rundflug zählt

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Was können wir glücklichen Menschen mittlerweile nicht alles kompensieren: Schlaflose Nächte mit einem «power nap», tage- und wochenlange Abwesenheiten von daheim mit einer halben Stunde «quality time» für die lieben Kleinen, den täglichen Schokoladestengel mit einem Fitnessabo – die Liste ist beliebig fortsetzbar und das Prinzip alles andere als neu. Die katholische Kirche praktiziert es seit Jahrhunderten mit Rosenkränzen, Ave Maria und grossem Erfolg.

Nun wissen wir spätestens seit der Klimakonferenz von Kyoto anno 1997, dass nicht bloss Sünden vor dem Herrn durch eine kleine Gegenleistung lässlich werden, sondern auch der Ausstoss von Treibhausgasen: Wer übermässig viel CO2 in die Atomsphäre absondert, kann sich mit dem Erwerb von Emissionszertifikaten auf diese Weise quasi freikaufen. Und so kann man denn klimaneutral in der Welt herumjetten, klimaneutral Ferien machen, klimaneutral Autos mieten – und neuerdings selbst klimaneutral Helikopter fliegen. So fand der Umwelt- und Klimablogger kürzlich folgendes Angebot in seiner Mailbox:

«Sehr geehrter Herr Angeli, gerne möchten wir Sie zu einem klimaneutralen Flug einladen. So könnten Sie Ihren Lesern davon berichten.»

Wer mit helikopterflug.ch beispielsweise für 60 Minuten abhebe, so stand da weiter, könne freiwillig fünf Franken für myclimate und fünf Franken für das Schweizerische Rote Kreuz spenden: «Das Besondere daran – Helikopterflug.ch verdoppelt die Spenden!»

Ist das nicht einfach zum Abheben super? Da kann man also – etwa auf einem der angebotenen «Romantikflüge», «VIP-Flüge» oder «Gourmetflüge» – durch die Gegend rotoren, dabei kräftig die Luft verpesten und sich so richtig gut fühlen. Schliesslich hat man zusätzlich zu den mindestens 1400 Franken, die das Vergnügen kostet, stolze zehn Stutz für einen guten Zweck gespendet (immer vorausgesetzt, man hat den gut versteckten Link auf der Homepage des Unternehmens gefunden). Und so können dank diesem uneigennützigen Flug zum Wohle der Menschheit in Mocambique drei Quadratzentimeter Solarzellen gekauft oder in Indien zwei Bolzen für ein Windrad angeschafft werden. Jeder Rundflug zählt, sozusagen.

Da bleibt der Energie- und Umweltblogger lieber auf dem Boden und verzichtet darauf, seinen Leserinnen und Lesern den Unterschied zwischen einem stinknormalen und einem klimaneutralen Flug in einer packenden Reportage zu erläutern. Und wartet auf die Erfindung des Solarhelikopters.


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Geschrieben von Thomas Angeli

18. Januar 2010 um 07:17

Erdölvereinigung: Dinosaurier mit Solarmäntelchen

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Gewisse Ideen brauchen ihre Zeit, um ins Bewusstsein zu dringen. Manche, weil sie nicht spektakulär genug sind, um Aufmerksamkeit zu erringen, andere, weil sie zu verquer sind, um ernst genommen zu werden. Die Idee, von der hier die Rede ist, erfüllt gleich beide Kriterien: Sie ist derart spektakulär verquer, dass der Energie- und Umweltblog fast vier Monate gebraucht hat, um darauf aufmerksam zu werden. Oder wären Sie, geschätzte Leserin, geschätzter Leser, auf die Idee gekommen, dass die Erdöllobby Sonnenkollektoren fördern könnte? Eben.

Nicht, dass an dieser Stelle gegen die Förderung von thermischen Solaranlagen zur Warmwasseraufbereitung gewettert werden soll, im Gegenteil: Hausbesitzer, die ökologischer duschen wollen und einen Installateur finden, der ihnen die dazu notwendigen Kollektoren aufs Hausdach montiert, seien explizit dazu ermuntert. Sie könnten sich bei dieser Gelegenheit – das nötige Kleingeld vorausgesetzt – auch fragen, ob sie nicht gleich auch noch das Haus isolieren und/oder die Heizung erneuern wollen, schliesslich gibt es für solche Vorhaben Geld von der öffentlichen Hand.

Die Heizung erneuern? Da wittert die Erdölvereinigung, der Branchenverband der Ölkonzerne, aber Gefahr. Schliesslich könnten Hausbesitzer auf die Idee kommen, den veralteten Ölbrenner durch eine Wärmepumpe oder eine Holzheizung zu ersetzen. Was tun also, damit der Dinosaurier unter den fossilen Brennstoffen ob all den Energiequellen der Zukunft nicht vollständig in Vergessenheit gerät? Die Lösung heisst «Solarinitiative».

Die ersten 1000 Hausbesitzer, die bei der Erdölvereinigung melden, dass sie eine thermische Solaranlage auf ihr Dach montieren, bekommen 1000 Franken geschenkt. Der kleine Haken daran ist, dass sie gleichzeitig ihren alten Ölbrenner ersetzen müssen – durch einen neuen Ölbrenner (der im Branchenjargon nun «Ölbrennwert-Kessel» heisst). Dies sei «eine ideale Kombination», schwärmt die Erdölvereinigung in einer Broschüre: «Mit Heizöl steht ein lagerbarer Brennstoff jederzeit für die Wärmeerzeugung und zur Unterstützung der Solaranlage zur Verfügung.»

Die Lobbyorganisation der Ölindustrie kann sich dank dieser Aktion nun ohne rot zu werden damit brüsten, etwas fürs Klima zu tun – und gleichzeitig ihre Kundschaft für mindestens zwanzig weitere Jahre an einen Brennstoff binden, der zu den grössten CO2-Emittenten gehört. Davon jedoch steht in der Hochglanzbroschüre kein Wort.

Die 1000 Franken übrigens gibt es nicht bar auf die Hand, sondern in Form von Gutscheinen für die nächste Tankfüllung. Letztlich ist einem halt doch das eigene Hemd am nächsten.


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Geschrieben von Thomas Angeli

6. Januar 2010 um 11:24

Das Märchen vom spröden, undisziplinierten Schüler

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Es war einmal, in einem sehr, sehr nahen Land, ein furchtbar undisziplinierter Schüler. Dessen Eltern, mächtige Leute mit vielen Kindern und vielen, vielen guten Freunden, hatten seit Jahren grosse Sorgen mit diesem einen Kind. Nicht nur, dass bei diesem Kind immer wieder Schwächen auftraten, die eigentlich nicht sein durften. Nein, Sorgen bereitete den Eltern, dass das Kind seine Aufgaben häufig gar nicht, und wenn, dann mehr schlecht als recht machte.
Die Eltern aber liebten ihr Kind über alles, auch wenn es manchmal etwas spröde wirkte. Was die Eltern jedoch lange Zeit wirklich sehr bekümmerte, war das Zeugnis des Kindes. In diesem hiess es nämlich über Jahre immer wieder «Promotion gefährdet», und das, fanden sie Eltern, sei mehr als nur ungerecht. Schliesslich strahle ihr Kind wie alle anderen Kinder auch, und Fehler, nein, Fehler habe ihr Kind sicher nicht.
Die Eltern schrieben deshalb an die Schulleitung und verlangten, dass ihr Kind fortan unbefristet lange zur Schule gehen dürfe. Die Schulleitung liess das Echt Neutrale Schul-Inspektorat über das Gesuch befinden, und fragte dann auch noch die Eltern und Verwandten aller anderen Schüler, was sie von dem Ansinnen hielten. In manchen Familien, so wurde erzählt, hätten darüber richtiggehende Abstimmungen stattgefunden, und längst nicht alle hätten den Schüler weiter in der Klasse gewollt. Das Echt Neutrale Schul-Inspektorat aber, bei dem die Eltern des undisziplinierten Schülers ebenfalls viele gute Freunde hatten, nickte zustimmend.
Zwar wusste auch das Echt-Neutrale Schul-Inspektorat, dass der undisziplinierte Schüler wegen nicht gemachten Hausaufgaben so viele Strafaufgaben hatte, dass er wohl bis zu seinem endgültigen Dahinschmelzen daran zu tun haben würde. Weil das Echt-Neutrale Schulinspektorat aber auch bei anderen undisziplinierten Schülern gelegentlich ein Auge zudrückte, legte es den Bericht über die nicht gemachten Hausaufgaben zuunterst in die unterste Schublade und erklärte, es gebe keinen Grund, den undisziplinierten, spröden Schüler von der Schule zu weisen.

Die Schulleitung ihrerseits erklärte auf Wunsch der Eltern alle anderen Einwände gegen den spröden, undisziplinierten Schüler zur Geheimsache und empfahl der Schulkommission, dass das Kind künftig wie alle anderen Kinder bis in alle Ewigkeit zur Schule gehen dürfe, erledigte Hausaufgaben und sprödes Strahlen hin oder her. Da konnte die Schulleitung nicht mehr anders und stimmte zu.

Die Eltern des Kindes waren über diesen Entscheid unendlich erleichtert. Sie brachen in Jubel aus und zogen sich dann zurück, um ein weiteres Kind auf die Welt zu stellen. Schliesslich wussten sie, dass auch andere Eltern mit mindestens zwei Kindern schwanger gingen, und da wollten sie nicht hintenanstehen.

Der furchtbar undisziplinierte Schüler aber ging weiter zur Schule. Manchmal machte er seine Aufgaben, manchmal machte er sie nicht, immer im Wissen, dass das Echt Neutrale Schul-Inspektorat im Zweifelsfall ein Auge zudrücken würde.

Und wenn der furchtbar undisziplinierte Schüler bis dahin nicht geschmolzen oder auseinandergebrochen ist, dann strahlt er auch in 100 000 Jahren noch.


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Geschrieben von Thomas Angeli

21. Dezember 2009 um 23:09

Baujahr 1972

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Eigentlich sollte der Bundesrat schon längst entschieden haben, ob das AKW Mühleberg nach 2012 weiterlaufen darf oder nicht. Die befristete Betriebsbewilligung des zweitältesten Atommeilers der Schweiz läuft nämlich am 31. Dezember 2012 aus – und die BKW als Besitzerin verlangt allen Rissen am Kernmantel und am Reaktordruckbehälter zum Trotz eine unbefristete Betriebsbewilligung. Dagegen gingen 1900 Einsprachen ein, wobei die BKW den Einsprecherinnen und Einsprechern mit dem Segen des Bundesamtes für Energie die Antwort schuldig bleiben durfte, wie sicher das AKW Mühleberg, das am 6. November 1972 zum ersten Mal Strom lieferte, eigentlich ist.
Nun will der Bundesrat dem Vernehmen nach noch die Volksabstimmung vom 29. November in der Waadt abwarten. Dort hat sich eine Allianz aus Linken und Grünen durchgesetzt und erreicht, dass über die Stellungnahme des Kantons zur Betriebsbewilligung in einer Volksabstimmung entschieden wird.
Ob Waadtländer Stimmbevölkerung oder Bundesrat: ein paar Entscheidungshilfen können nie schaden. Der Energie- und Umweltblog ist tief in die Archive gestiegen und hat nach Geräten gesucht, die mit dem AKW Mühleberg eines gemeinsam haben: das Baujahr 1972.

Telefon

Telefoniert wurde 1972 noch mit Wählscheibe. In Sammlerbörsen im Internet liest man dazu häufig, sie wiesen «keine Risse oder Beschädigungen» auf.

Handy

Wer zu einer kleinen, finanzkräftigen Minderheit gehörte (in Deutschland waren das im Jahr 1972 nur rund 12 000 Personen), konnte sich in den Wagen ein Autotelefon einbauen lassen. Zum Herumtragen waren die Geräte zu schwer und zu unhandlich.

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Auch die privaten Fortbewegungsmittel der frühen 70er-Jahre sind heute auf den Strassen immer noch gern gesehen – auf Oldtimer-Ausfahrten.

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Anlagen mit vielen Knöpfen gab es 1972 nicht bloss in Mühleberg, sondern auch im Wohnzimmer.

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Der neuste Stand der Technik wurde selbstverständlich auch in Sachen Computer in Mühleberg eingebaut. Für Heimanwender mit dickem Portemonnaie sah dieser beispielsweise so aus.

Für weitere Entscheidungshilfen, lieber Bundesrat, liebe Waadtländerinnen und Waadtländer, fragen Sie einen pensionierten Elektromonteur oder Thomas Edison.

Kennen Sie weitere technologische Wunderwerke mit Baujahr 1972? Posten Sie einen Link als Kommentar oder mailen Sie an thomas.angeli [at] beobachter.ch

Geschrieben von Thomas Angeli

16. November 2009 um 07:21

Beznau: Aufs Geratewohl repariert

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SpeisewasserregelungAuf eine automatische Schnellabschaltung eines AKWs folgen ebenso automatisch Beteue­run­gen der Betreiber und des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi), dass man alles unter Kontrolle habe.
Nach zwei Schnellabschaltungen des Reaktorblocks 2 des AKWs Beznau innert neun Tagen kom­men daran Zwei­fel auf. Die Worte von Axpo-Sprecher Roland Keller im DRS-1-Regionaljournal Aargau-Solothurn zeigen, dass man bei der ersten Schnellabschaltung vom 26. Ok­tober der Ursache nicht auf den Grund ging. Wörtlich sagte Keller : «Bei der ersten Abschaltung haben wir die Elek­tro­nik ausgetauscht, weil wir den Fehler in der Elektronik ver­mutet haben. Jetzt ha­ben wir das Ganze analysiert und den Fehler gefunden. Es handelt sich um eine Ventildichtung, die wir jetzt auswechseln.»

Bei der ersten Abschaltung wech­selte man also – mit dem Segen der Aufsichtsbehörde – in der hochkomplexen Anlage aufgrund einer blos­sen Vermutung einen Elektro­nik­bau­stein aus. Tage später stellte man dann nach der zweiten Schnell­abschal­tung fest, dass der Fehler ganz woanders lag.
Dass man der Sache selber nicht recht traute, zeigt auch die Aussage von Ensi-Sprecher Anton Treier. Er erklärt, das AKW Beznau habe nach der ers­ten Abschaltung «diver­se Instrumentierungen angebracht, um einen Defekt bei ei­nem allfälligen Wiederauftauchen näher eingrenzen zu können».

Beunruhigendes ergeben auch weitere Recherchen des Be­obachters: Bei den gleichen An­lageteilen, den Speise­was­­ser­­lei­tun­gen zu den ­Dampf­erzeu­gern, trat schon im August 2007 ein Defekt auf, der einen Notstopp einleitete.


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Geschrieben von Thomas Angeli

12. November 2009 um 11:03

AKW Beznau: Haarspalterei zum Jubiläum

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Beim AKW Beznau 2 ist innerhalb von neun Tagen gleich zweimal ein Ventil eines Dampferzeugers ausgefallen, was zu einer automatischen Schnellabschaltung führte. Was AKW-Betreiber und die Aufsichtsbehörde Ensi verschweigen: Schon 2007 musste Beznau 2 wegen Problemen mit einem Dampferzeugerventil notfallmässig abgeschaltet werden.

beznau_3c2fc8b262Zwei Schnellabschaltungen innerhalb von neun Tagen musste die Axpo als Betreiberin des AKWs Beznau dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) melden. In zwei Medienmitteilungen vermeldete darauf das Ensi, «bei der Regelung des Speisewassers im nicht nuklearen Teil von Block 2» sei eine Störung aufgetreten: «Diese führte in den Dampferzeugern zu einem niedrigeren Wasserstand, wodurch eine automatische Schnellabschaltung des Reaktors ausgelöst wurde.»

Wer in der Geschichte der Schnellabschaltungen in Beznau bloss etwas mehr als zwei Jahre zurückblättert, stösst auf ein praktisch identisches Ereignis: Am 10. August 2007 war beim Herunterfahren des Reaktorblocks 2 in Beznau eine Schnellabschaltung ausgelöst worden, «weil der Wasserfüllstand auf der Sekundärseite eines Dampferzeugers zu hoch anstieg», wie die Aufsichtsbehörde damals in ihrem Jahresbericht meldete.

Frage deshalb an Ensi-Mediensprecher Anton Treier: Handelt es sich um eine Störung am gleichen Teil der Anlage?

Weiterlesen auf beobachter.ch

PDF-Dokumentation: Was der Beobachter fragte – und was Ensi-Sprecher Anton Treier antwortete


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Geschrieben von Thomas Angeli

5. November 2009 um 19:22

Pretty smart, Mister President

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Manchmal gehen wichtige Meldungen im grossen digitalen Rauschen selbst dann unter, wenn sie von nicht ganz unwichtigen Akteuren der Weltgeschichte lanciert werden. So geschehen Ende Oktober, als US-Präsident Barack Obama bekanntgab, er wolle 3,4 Milliarden Dollar in eine «Strom-Revolution» stecken und damit das amerikanische Elektrizitätsnetz grundlegend erneuern. In der Schweiz war diese Ankündigung gerade mal drei Zeitungen ein paar wenige Zeilen wert.

Nun kann man zu Recht argumentieren, dass 3,4 Milliarden Dollar zur Erneuerung einer maroden Infrastruktur in einem Land wie den USA nicht eben revolutionär viel ist. Die Summe entspricht etwa einem Promille (!) des Betrags, den die Vereinigten Staaten bisher für den Krieg im Irak ausgegeben haben.

Interessant an der Meldung sind demnach weniger die 3,4 Milliarden Dollar, sondern vielmehr die Projekte, für die sie eingesetzt werden sollen. Mit dem Geld aus dem Staatsfonds sollen unter anderem rund 100 Projekte für so genannte «Smart Grids» unterstützt werden – «intelligente» Stromnetze, bei denen Stromproduktion und -Verbrauch besser aufeinander abgestimmt sind. Dank Smart Grids kann die Produktion von Strom aus erneuerbaren Energiequellen – etwa von Photovoltaik-Anlagen auf Hausdächern – oder von privat betriebenen Blockheizkraftwerken von einer zentralen Schaltstelle aus gesteuert und dem aktuellen Bedarf angepasst werden.

Voraussetzung für Smart Grids sind die «Smart Meters», intelligente Strommessgeräte, die den Benutzern einerseits den aktuellen Verbrauch anzeigen (und so zum Stromsparen animieren), und diesen in Echtzeit in die Steuerzentrale übertragen, damit die Stromproduktion exakt dem Bedarf angepasst werden kann. 18 Millionen davon sollen nun dank staatlicher Unterstützung in amerikanischen Haushalten installiert werden.

Während man also in den USA investiert und sich in Deutschland unlängst der Autobauer VW und der Ökostromanbieter Lichtblick für ein riesiges Smart-Grid-Projekt zusammengeschlossen haben, herrscht in der Schweiz eine gespenstische Funkstille. Den von den Stromversorgern betriebenen Online-Plattformen energiedialog.ch (Axpo) und immergenugstrom.ch (Alpiq), in denen es laut Eigenwerbung um die «Energiezukunft der Schweiz» geht, waren Smart Grids bisher keine Zeile wert. Die Infrastruktur der grossen Elektrizitätsversorger ist auf den lukrativen Stromhandel ausgerichtet und soll dies mit dem Bau neuer AKWs auch während der nächsten Jahrzehnte bleiben. Intelligente Lösungen für eine dezentrale Stromproduktion haben in diesem Denken wenig Platz, und inländische Produzenten von Smart Meters müssen ihre Absatzmärkte im Ausland suchen. Die Pionierarbeit bleibt kleinen EWs überlassen.

Da erinnert man sich unweigerlich daran, dass die Schweiz einst bei den Photovoltaikanlagen eine der höchsten Dichten der Welt hatte, mittlerweile aber gnadenlos ins Hintertreffen geraten ist, weil weder die Politik noch die Stromwirtschaft daran Interesse hatten. Es ist zu befürchten, dass sich die Geschichte wiederholen wird.

Geschrieben von Thomas Angeli

2. November 2009 um 09:45

Ein Viertelherz für Kaffeetrinker

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Kann man frühmorgens schon vor dem ersten Schluck Kaffee ein gutes Gewissen haben? Ja, vermeldet das Bundesamt für Energie (BFE) in einer Medienmitteilung pünktlich zum «Energy Day 09». Ab sofort, so die frohe Botschaft, würden nebst Geschirrspülern, Waschmaschinen. Kühlschränken und Autos auch Kaffeemaschinen mit einer Energieetikette gekennzeichnet. Vorbei also die Zeiten, als man den Tag mit einem schlechten Gewissen begann, weil das lebenswichtige Haushaltgerät die ganze Nacht fleissig und mit viel Strom das Wasser nah am Siedepunkt gehalten hatte. Ab sofort kann jeder und jede Koffeinjunkie beim Kauf einer neuen Kaffeemaschine auf den ersten Blick erkennen, wie effizient diese arbeitet. «Energiebewusst geniessen» sei nun möglich, verspricht das BFE.

Wer sich nun freut, dass er sich künftig nur noch wegen der Aluverpackung des Kaffeepulvers ein klein wenig als Umweltsünder fühlen muss, tut dies zu früh. Ganz am Schluss der Medienmitteilung vermeldet das BFE nämlich, dass die Etikette vorerst nur «auf freiwilliger Basis» eingeführt werde, bis ein europäischer Standard vorliege.

Eine Deklaration auf freiwilliger Basis? Das hatten wir doch schon einmal. Als die Energieetikette im Jahr 2002 für Haushaltgeräte wie Kühlschränke und Geschirrspüler einführte, stellten Konsumenten- und Umweltschutzorganisationen nach einem knappen Jahr fest, dass nur rund die Hälfte der Geräte korrekt deklariert waren. Erst die Einführung des Obligatoriums verbesserte die Situation, und selbst dies nur schleppend.

«Damit die Etikette etwas bringt, muss sich obligatorisch sein, und es braucht zwingende Mindestanforderungen an die Geräte», erklärt der Zürcher Energieberater Conrad U. Brunner, Mitglied der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz (SAFE). Die freiwillige Etikette für Kaffeemaschinen sei keine halbherzige Lösung, sondern «bestensfalls eine viertelherzige. Ein halbes Herz hat immerhin eine Kammer, die funktioniert.»


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Geschrieben von Thomas Angeli

24. Oktober 2009 um 07:32

Klimaforscher Reto Knutti: «Es ist nicht alles verloren, wenn Kopenhagen scheitert»

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image KnuttiETH-Klimaforscher Reto Knutti sieht der Welt-Klimakonferenz nicht mit übermässigem Optimismus entgegen. Letztlich aber sei alles eine Frage des Umgangs mit dem CO2-Budget, findet er.

Herr Knutti, an der Klimakonferenz in Kopenhagen wird es im Dezember vor allem darum gehen, ob die Menschheit es schafft, dass sich die Erde im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter um nicht mehr als 2 Grad erwärmt. Aus der Sicht des Klimaforschers: Wie realistisch ist dieses Ziel?

Reto Knutti: Das ist nicht primär eine Frage der Klimaforschung, sondern der Politik. Es gibt Szenarien für eine Wirtschaftsentwicklung, die aussagen, dass die 2 Grad möglich sind. Es ist allerdings ein äusserst ambitiöses Ziel. Ob wir es erreichen, ist im Wesentlichen eine Frage des Willens und der Bereitschaft, Geld zu investieren. Es gab in der Vergangenheit Beispiele, wo man ähnliche Ziele erreichte. Das Ozonloch etwa bekam man mehr oder weniger in den Griff, wobei das wesentlich simpler war, als das Klima zu retten. Man konnte einfach Kühlschränke mit anderen Kühlmitteln bauen. Beim Klima hingegen sieht es im Moment eher düster aus. Man hat das Gefühl, dass der politische Wille nicht da ist. Es gibt zu viele partikuläre Interessen, und es geht um Geld und Macht. Dazu kommt die heikle Frage, um wie viel die einzelnen Länder ihren Ausstoss reduzieren müssen.

Optimismus tönt anders.

Im Moment sieht es tatsächlich eher schlecht aus. Aber letztlich werden wir auch erst in 50 oder 100 Jahren wissen, was die Massnahmen, die allenfalls in Kopenhagen beschlossen werden, tatsächlich gebracht haben. Es ist nicht alles verloren, wenn die Verhandlungen in Kopenhagen scheitern. Falls ein oder zwei Jahre später die richtigen Entscheide gefällt und umgesetzt werden, dann ist es immer noch möglich, das Ziel zu erreichen. Kopenhagen entscheidet nicht über Untergang oder Weiterleben. Wichtig ist, wie wir langfristig mit unserem CO2-Budget umgehen.

Das heisst?

Wenn wir die 2 Grad erreichen wollen, dann haben wir weltweit nur noch eine bestimmte Menge CO2 zugut, die wir ausstossen dürfen. Für die Zeit zwischen den Jahren 2000 bis 2050 sind das rund 1000 Milliarden Tonnen CO2. Sollte es nun in Kopenhagen zu keiner Einigung kommen, so bedeutet das, dass wir weiterhin viel von diesem Budget «aufbrauchen» und später den Gürtel entsprechend enger schnallen müssen. Wenn wir früher mit Sparen anfangen, haben wir später noch etwas mehr übrig. Je länger wir warten, desto schwieriger wird es, mit dem Rest noch auszukommen.

Um bei Ihrem Bild zu bleiben: Wenn ich lange Zeit viel Geld zur Verfügung habe, dann fällt es mir doch umso schwerer, wenn ich plötzlich nur noch ganz wenig ausgeben kann.

Genau. Wenn ich Ende Januar die Hälfte meines Jahresbudgets ausgegeben habe, dann habe ich spätestens Ende Jahr ein ernsthaftes Problem. Aber es gibt nicht einen bestimmten Stichtag im Februar, an dem ich sagen muss: «Jetzt bin ich verloren», sondern es wird einfach graduell immer schwieriger, mit dem verbleibenden Geld auszukommen. Und genau so verhält es sich auch bei fossilen Ressourcen.

Die Aussage «Jetzt oder nie», die man im Hinblick auf Kopenhagen immer wieder hört, würden Sie also nicht unterschreiben?

Nein. Aber es ist klar, dass bei einem Nullentscheid in Kopenhagen die Situation immer schwieriger wird. Jedes Jahr, das wir zuwarten, bringt uns in eine verworrenere Situation, in der wir uns noch mehr anstrengen müssten, um das 2-Grad-Ziel zu erreichen. Unabhängig von den Zahlen hat Kopenhagen wie Kyoto aber auch Signalcharakter: wenn wir jetzt nicht beweisen dass ein internationales Abkommen grundsätzlich möglich ist, wird es fraglich warum wir auf eine Einigung später hoffen sollten.

Sind das nicht frustrierende Aussichten, wenn man tagtäglich mit dem Thema zu tun hat und weiss, was notwendig wäre?

Als Klimawissenchaftler kann man die Welt nicht retten. Wir können nur die Informationen liefern, damit Gesellschaft, Wirtschaft und Politik möglichst die besten Entscheidungen treffen können. Wenn unsere Informationen nicht ernstgenommen werden, dann ist das zwar frustrierend, aber wir können wenig dagegen machen. In diesem Sinne mache ich unter Klimaforschern weder Panik noch grosse Vorfreude aus. Wir sind nicht Greenpeace, die sich vor das Bundeshaus setzen und Aktivismus vorleben. Als Klimawissenschaftler sorge ich mich zwar um den Zustand der Umwelt, aber ich habe keine politische Agenda.

Professor Reto Knutti, 36, erforscht an der ETH Zürich Veränderungen im globalen Klimasystem, die durch den steigenden menschlichen Ausstoss von Treibhausgasen wie Kohlendioxid verursacht werden.

Mehr zum Thema Klimaforschung lesen Sie in der nächsten Ausgabe von BeobachterNatur. Das Heft ist ab dem 13. November am Kiosk erhältlich.


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Geschrieben von Thomas Angeli

15. Oktober 2009 um 07:02

Veröffentlicht in Interview

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