Majak-Direktor: «Kommen Sie, wir zeigen Ihnen alles.»

Umweltprobleme? Gewässerverschmutzung? Radioaktive Abfälle? Alles kein Problem, sagt Sergej Baranow. Der Direktor des umstrittenen russischen Atomkomplexes Majak über Transparenz, Altlasten und Sommervergnügen.

Mindestens vier Schweizer AKWs haben in den vergangenen Jahren Brennelemente mit Uran aus dem russischen Majak eingesetzt. Beim fünftem, dem AKW Mühleberg, schliesst man zumindest nicht aus, vor einigen Jahren einmal Brennelemente mit Uran aus Majak erhalten zu haben. Der «Einheitsbetrieb Produktionsgenossenschaft Majak», eine Anlage mit 14 000 Angestellten, welche sowohl für zivilie als auch für militärische Zwecke produziert, steht jedoch in der Kritik. Zwischen 1949 und 1967 kam es zu drei grossen Zwischenfällen, durch welche die betroffenen Gebiete noch heute stark verseucht sind, wie eine Reportage im «Beobachter» zeigt. Umweltorganisation und Anwohner kritisieren zudem, dass aus Majak noch heute radioaktive Stoffe in die Umwelt gelangen. An einer Veranstaltung in Chelyabinsk (Russland) nahm Majak-Direktor Sergej Baranow nun erstmals gegenüber Schweizer Medienvertretern Stellung.

Sergej Baranow: «Wir befinden uns innerhalb der Grenzwerte, im grünen Bereich. Das ist das Wichtigste.» Fotos: © 2010 Tomas Wüthrich, http://www.bildhoch2.ch

Herr Baranow, in der Schweiz ist Ihre Atomfabrik Majak zurzeit ein Thema. Sie können uns sicher sagen, ob in Schweizer Brennelementen Uran drin ist, das aus Majak stammt.
Diese Frage sollten Sie an TVEL richten, den Hersteller der Brennelemente. TVEL führt alle Verhandlungen mit ausländischen Kunden.

Liefert denn Majak in irgendeiner Form Uran an TVEL?

Ja, wir extrahieren aus alten Brennstäben Uran und liefern dieses an TVEL.

Gibt es in Majak Inspektionen der Internationalen Atomenergie-Agentur IAEA?

2009 gab es eine Inspektion. Die IAEA hatte keine Beanstandungen.

Betraf diese Inspektion den ganzen zivilen Bereich von Majak?

Die ganze Produktion ist sehr schwer zu beurteilen. Wir haben aber der IAEA alles gezeigt, was sie sehen wollten.

Und die IAEA-Standards werden eingehalten?

Ich sage es noch einmal: Es gab keine offenen Fragen von Seiten der IAEA.

Gilt das auch für die Wiederaufbereitungsanlage?

Vor allem für diese.

Sie haben kürzlich erklärt, es gebe keine Auswirkungen der Atomanlage Majak auf die Umwelt. Haben wir Sie da richtig verstanden?

Wie jedes Industrieunternehmen, das mit chemischen Stoffen zu tun hat, haben wir einen gewissen Einfluss auf die Umwelt. Wir bezahlen für diese negativen Einflüsse eine Entschädigung, wie das weltweit Praxis ist. In der letzten Zeit haben wir aber keine Grenzwerte mehr überschritten.

Was meinen Sie mit negativen Einflüsse auf die Umwelt?

Es gibt bestimmte Grenzwerte, und wir befinden uns innerhalb dieser Grenzwerte, im grünen Bereich. Das ist das Wichtigste.

Welche Bereiche betreffen diese negativen Auswirkungen? Die Luft, das Wasser, den Boden oder alles zusammen?

Alles zusammen. Es wird integriert geschätzt.

Gibt es dazu Zahlen, Belege oder Messungen, die offengelegt werden?

Das machen wir natürlich, wir informieren offen und verstecken nichts. Alle Zahlen, die wir angeben, werden von Aufsichtsbehörden kontrolliert. Zudem werden wir von den Naturschutzbehörden kontrolliert. Es wird auch überprüft, ob wir die Technologien richtig anwenden. Wir haben dazu einen Umweltbericht veröffentlicht.

Wenn alles in Ordnung ist, wäre es denn möglich, den zivilen Teil der Anlage Majak einmal zu besuchen?

Das ist nicht verboten, man muss das nur bei der staatlichen Behörde Rosatom beantragen. Wenn das bewilligt wird, dann sind Sie herzlich willkommen. Wir werden oft von ausländischen Delegationen besucht, und es kommen auch Journalisten. Wir werden auch von Inspektoren kontrolliert, zum Beispiel von der amerikanischen Seite.

Im Bericht der russischen Atomaufsichtsbehörde steht, dass in Majak verschiedene gesetzliche Standards nicht eingehalten werden.

Aus welchem Jahr ist dieser Bericht?

2009 oder 2008. Was könnte in Sachen Umweltschutz in Majak verbessert werden?

Wir wollen in Zukunft das Aufbewahren von flüssigen radioaktiven Abfällen vermeiden. Es wäre am besten, wenn alle Abfälle der Produktion sofort einbetoniert oder auf eine andere Weise gehärtet würden. Das ist das wichtigste Ziel.

Wo liegen die Probleme genau?

Wir lassen keine Abfälle mehr in die Teiche fliessen, sondern haben spezielle Reservoirs. Diese gehören zur Nutzungskette und damit zur Technologie des Unternehmens. Es gibt keine Einleitungen in das offene Wassersystem des Flusses Tetscha.

Seit wann ist das so?

Das war schon immer so. Die gefährlichen Einleitungen erfolgten vor 1957.

Würden Sie persönlich in der Tetscha baden?

Ich habe darüber noch nie nachgedacht. Jetzt ist es ziemlich kalt.

Und im Sommer?

Kommen Sie im nächsten Sommer, dann gehen wir vielleicht zusammen baden.

Verstehe ich richtig, dass überhaupt keine Abfälle in die Tetscha, in das Teichsystem oder in den Karatschaisee eingeleitet werden?

Wir haben es nur mit radioaktiven Abfällen zu tun, die sich früher angesammelt haben.

Es werden also auch keine leicht radioaktiven Abfälle in die Tetscha eingeleitet?

Ich habe doch gesagt, dass Majak nichts in den Fluss abgibt.

Aber Ihr Vorgänger wurde angeklagt, von 2001 bis 2004 radioaktive Abfälle in die Tetscha eingeleitet zu haben.

Gibt es dazu einen Gerichtsentscheid?

Er wurde amnestiert. Aber es gab eine Anklage.

Aber es wurde vom Gericht nicht bewiesen.

Sie sagen also, dass von 2001 bis 2004 nichts in die Tetscha, ins Teichsystem von Majak, in den Karatschaisee oder in irgendwelche andere Gewässern gelangt ist.

Das ist so.

Wir haben hier eine Tabelle, die aufzeigt, wieviel leicht radioaktiver Abfall in die Tetscha gelangt. Wie kommentieren sie diese Zahlen?

Der Autor von diesem Dokument muss das erst einmal beweisen. Kennen Sie ihn?

Persönlich nicht, vielleicht kennen Sie ihn?

Wir haben unsere eigene Zeitschrift in Majak, die heisst „Fragen der atomaren Sicherheit“. Diese Zeitschrift gibt es auch auf Englisch. Wir veröffentlichen darin regelmässig Umweltberichte. Da gibt es auch ganz viel Material zur Tetscha, auch wissenschaftliche Arbeiten werden veröffentlicht, mit Schätzungen zur Verschmutzung des Flusses. Es gibt auch viele Materialien dazu, wie die Leute von der Strahlung beeinflusst werden. Ich schlage vor, dass Sie diese Zeitschrift lesen. Seit dem 19. November 2010 gilt zudem eine neue Norm, nachdem die leichtaktiven Abfälle gar nicht mehr als Abfälle gelten.

Diese Abfälle können also direkt in die Tetscha eingeleitet werden?

Wir dürften das, aber wir können nicht, weil wir keine direkten Leitungen haben.

Wir haben hier einen Bericht der russischen Atomaufsichtsbehörde, in dem steht, dass gewisse Becken mit flüssigen radioaktiven Abfällen ohne Rechtsgrundlage betrieben werden.

Das regeln wir bis Ende Jahr, dann bekommen wir auch eine Lizenz dafür. Bis heute ist die Gesetzgebung so, dass es nicht nötig war. Das ist nicht die Schuld von Majak.

Das heisst, die Gesetzgebung wird angepasst.

Früher gab es in der Gesetzgebung keine Möglichkeit, so etwas zu registrieren. Jetzt gibt es diese Möglichkeit, und dann tun wir das auch. Wie kann ein Industrieuntenehmen überhaupt ein Gewässer beherrschen? Können Sie einen Ozean beherrschen?
Ich wiederhole es noch einmal: Ich lade Sie ein, sich alles anzuschauen. Sie müssen das nur beantragen. Dann können Sie sich auch die Wiederaufbereitungsanlage RT-1 ansehen und die Röhre suchen, durch die angeblich radioaktive Abfälle in die Tetscha gelangen.

Aufgezeichnet von Thomas Angeli

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BKW: Zahlen, bitte!

Der Berner Stromkonzern BKW soll seine Zahlungen an atomfreundliche Lobbyorganisationen vollständig offenlegen. Dies fordert der SP-Parlamentarier Res Hofmann in einer dringlichen Interpellation im bernischen Grossen Rat.

Quelle: BKW

4500 Franken Jahresbeitrag: Diese Summe überweist die BKW jährlich als Jahresbeitrag an die Lobbyorganisation Nuklearforum. So jedenfalls steht es in einer Antwort auf eine Interpellation von Res Hofmann aus dem Jahr 2007.
Das allerdings ist bestenfalls die halbe Wahrheit. Gemäss Statuten des Nuklearforums sind die «wirtschaftlich leistungsfähigen Kollektivmitglieder, namentlich die Betreiber der Schweizer Kernkraftwerke» verpflichtet, «ausserordentliche Mitgliederbeiträge» zu bezahlen. Dies deckte der «Beobachter» Anfang Oktober auf . Gemäss der Jahresrechnung des Nuklearforums werden demnach vom 3,2-Millionen-Budget mindestens 2,3 Millionen von den AKW-Betreibern bestritten – ohne dass dies irgendwo ausgewiesen ist. Auf die Frage, wie hoch dieser Sonderobolus sei, gaben weder die Schweizer AKW-Betreiber noch das Nuklearforum Auskunft. Nach anfänglichem Schweigen bestätigte die Präsidentin des Nuklearforums wenigstens indirekt, dass das Geld tatsächlich fliesst: «Sie können davon ausgehen, dass unsere Statuten eingehalten werden», erklärte Corina Eichenberger Anfang November am Rand der Branchentagung «nuclea10».

SP-Politiker Hofmann reicht dies jedoch nicht. Er will die genauen Zahlen über die Lobbyaktivitäten des Stromkonzerns, der zu 52 Prozent dem Kanton Bern gehört. «Hat die BKW, eine ihrer Tochtergesellschaften oder das AKW Mühleberg selbst, neben dem ordentlichen Beitrag (…) von CHF 4’500 in den Jahren 2000 bis heute noch weitere Beiträge an das Nuklearforum entrichtet?», fragt er in einer dringlichen Interpellation, die er am 22. November eingereicht hat. Detailliert verlangt er zudem Auskunft darüber, welche atomfreundlichen Organisationen in den vergangenen Jahren von der BKW unterstützt wurden.
Hofmann traut auch den Beteuerungen des Stromkonzern nicht, dass im Hinblick auf die konsultative kantonale Abstimmung über ein neues AKW in Mühleberg kein Geld von der BKW in die Kassen der Befürworter fliesst. «Ist die BKW in der letzen Zeit Abstimmungskomitees beigetreten mit dem Ziel, die (…) Abstimmung im Februar 2011 in ihrem Sinne zu beeinflussen? Gibt es Geldspenden an Organisationen, Firmen oder Privatpersonen, die für ein Ja eintreten?», will er wissen.

Falls die Dringlichkeit gewährt wird, muss die Berner Regierung die Interpellation bis spätestens 1. Februar 2011 beantworten. Zwölf Tage später wird im Kanton über das Schicksal von Mühleberg abgestimmt.

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Topten: global effizient

Der Vorstoss in die Höhle des Löwen brauchte einen langen Atem. Drei Jahre Verhandlungen waren nötig, aber am 26. Oktober 2010, um Punkt 10 Uhr Ortszeit, war es geschafft: Topten, der Internet-Vergleichsdienst für energieeffiziente Elektrogeräte, Lampen, Haustechnik und Autos konnte eine weitere «Filiale» im Internet online schalten. Nicht irgendwo, sondern ausgerechnet in dem Land, das gemeinhin als der Ursprung aller Stromschleudern, sinnlosen Elektrogadgets und Apparaten mit eingebauten Sollbruchstellen gilt: in China. Gleichentags schaltete Topten USA («Better climate. Lower bills. The most efficient products you can buy.») vom Versuchsbetrieb auf «operativ».

Die Erfolgsgeschichte des Vergleichsdienstes für effizientere Geräte begann Ende der 90er-Jahre in Zürich. «Wir wussten, welche Geräte wenig Energie verbrauchen», sagt Conrad U. Brunner, Energieplaner und zusammen seinem Berufskollegen Eric Bush geistiger Vater von Topten: «Aber wir mussten immer wieder feststellen, dass in unserem Bekanntenkreis niemand eine Ahnung hatte.» Die Idee einer Online-Entscheidungshilfe war geboren, und mit der Umsetzung fackelten Brunner und Bush nicht lange. Am 13. September 2000 ging topten.ch online – und provozierte Widerstand: Apparatehersteller kritisierten angeblich nicht marktgerechte Auswahlkriterien und drohten mit Prozessen. Es blieb bei der Drohung. In zehn Jahren habe man zwar «den einen oder anderen Fehler gemacht und korrigieren müssen», räumt Brunner freimütig ein: «Aber einen Prozess hat uns nie jemand angehängt.»

Im Gegenteil: Die Macher von Topten trafen offensichtlich einen Nerv. Heute zählen sie in der Schweiz Grossverteiler wie die Migros und Coop zu ihren Partnern, und Elektrizitätsversorger wie etwa EnergieWasserBern oder das EKZ unterstützen den Kauf von Produkten mit dem Topten-Label mit Rabatten.

Das 10-Jahres-Jubiläum habe man nicht gefeiert, sagt Brunner: «Wir haben gearbeitet.» Zu tun gab es genug: Das Engagement der Topten-Macher beschränkt sich schon seit einiger Zeit nicht mehr auf die Schweiz. Der Vergleichsdienst bietet seine Dienste mittlerweile in 15 EU-Ländern an (und wird dafür von der EU mit einem namhaften Beitrag unterstützt).
Und nun also auch in China und in den USA. Damit kann sich Unternehmen, das in einem Zürcher Büro ganz klein begann, auf einen Schlag rühmen, insgesamt 18 Länder abzudecken, die für rund 40 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. Das soll aber nicht das Ende des Feldzugs für energieeffiziente Geräte sein, wie Brunner betont: «In zwei Jahren wollen wir mit der Website für Indien online gehen.»

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Leuenbergers Abschiedsgeschenk

Der Bundesrat will die freiwilligen Vereinbarungen in der Energiepolitik abschaffen. Fragt sich bloss, ob er das wirklich tut.

Was tun, wenn einem zu einem besonderen Anlass partout kein passendes Präsent einfallen will und der zu Beschenkende schon alles hat? Man schenkt einen «Gutschein für ein spezielles Erlebnis» – und zählt darauf, dass der Empfänger die Sache früher oder später vergisst.

Was Moritz Leuenberger an einer seiner letzten Sitzungen als Bundesrat von seinen Kolleginnen und Kollegen als Abschiedsgeschenk erhalten hat, erinnert verdächtig an einen solchen Gutschein: Der Bundesrat möchte die freiwilligen Vereinbarungen in der Energiepolitik abschaffen.

Wollte das – bisherige – Departement Leuenberger gegen Strom- oder Spritfresser vorgehen, so war bisher zwingend der Umweg über eine freiwillige Vereinbarung nötig. Die betroffene Branche durfte erst einmal während mehreren Jahren den Beweis antreten, dass sie aus eigener Kraft und ohne staatliche Intervention fähig ist, ihren Energieverbrauch oder CO2-Ausstoss zu senken. Das klappte in einigen Fällen ganz ordentlich. Die Zementindustrie etwa brachte tatsächlich eine namhafte Reduktion zustande. In anderen Fällen waren die jeweiligen Erfolgskontrollen aber nichts anderes als ein jährlich wiederkehrendes Eingeständnis des Versagens und der Machtlosigkeit der Politik.

Dabei zeichneten sich vor allem die Autoimporteure durch eine geradezu beharrliche
Erfolgslosigkeit aus: Das Ziel, den Benzinerbrauch der verkauften Neuwagen bis 2008 auf 6,4 Liter pro 100 Kilometer zu senken, entpuppte sich schon kurz nach Abschluss der Vereinbarung als Illusion. Der TCS feiern es schon als Erfolg, dass die Neuwagen in der Schweiz mittlerweile weniger als sieben Liter brauchen.

Nun also will der Bundesrat schneller eingreifen und Energiesparziele direkt und ohne Umweg über freiwillige Vereinbarungen vorschreiben können. Das ist ein veritabler Paradigmenwechsel – wenn er denn zustandekommt. Vorläufig ist nämlich auch das bundesrätliche Abschiedsgeschenk an Moritz Leuenberger nicht viel mehr wert als ein Gutschein, den der Schenkende nicht wirklich einlösen will. Zuerst dürfen sich nämlich noch die betroffenen Interessenvertreter und Verbände zum Vorschlag des Bundesrates äussern. Dass Wirtschaft und Industrie daran keine Freude haben werden, ist so sicher wie der Stau am Gotthard zu Ferienbeginn. Gut möglich, dass Moritz Leuenberger an ein paar Flaschen Wein als Abschiedsgeschenk längerfristig mehr Freude gehabt hätte.

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It’s the power mix, stupid!

Die Energiesparlampe ist besser als ihr Ruf – und für ihre Ökobilanz ist vor allem der Konsument verantwortlich.

File photo of traditional incandescent light bulbs pictured at an apartment in Munich August 31, 2009. A German entrepreneur is  bypassing a European Union ban on light bulbs with more than 60 watts by marketing his own brand as mini heaters. Siegfried Rotthaeuser and his brother-in-law have come up with a legal way of importing and distributing 75 and 100 watt light bulbs -- by producing them in China, importing them as small heating devices and selling them as heatballs .  To improve energy efficiency, the EU banned the sale of bulbs with over 60 watts from September -- to the annoyance of the mechanical engineer from the western city of Essen. TO GO WITH REUTERS LIFE! GERMANY-HEATBALLS/  REUTERS/Michael Dalder/Files  (GERMANY BUSINESS ENERGY ENVIRONMENT)

Zufall oder nicht: Kurz bevor das letzte Stündlein der stromfressenden 100-Watt-Glühbirne schlug, hagelte es an ihrer Nachfolgerin, der Energiesparlampe, Kritik: Sie sei nicht halb so ökologisch wie behauptet, spare weniger Strom als angegeben und müsse wegen ihres Quecksilbergehalts als Sondermüll entsorgt werden.
Nun haben die drei Forscher Roland Hischier, Tobias Welz und Lorenz Hilty von der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt (EMPA) die Sache genauer unter die Lupe genommen und die Ökobilanz von Energiesparlampen mit derjenigen von herkömmlichen Glühbirnen, Halogenlampen und Fluoreszenröhren verglichen. Das Resultat ihrer Untersuchungen, die den gesamten Lebenszyklus von der Produktion bis zur Entsorgung beinhaltete: Energiesparlampen sind von den vier untersuchten Leuchtkörpern am ökologischsten, und zwar selbst wenn sie nicht rezykliert, sondern im normalen Hausmüll verbrannt werden.

Mindestens ebenso interessant wie dieses Resultat ist jedoch ein anderes, das in der Medienmitteilung der EMPA nur ganz am Schluss erwähnt wird: Beim Betrieb von Lampen ist weniger deren Bauart als vielmehr die Zusammensetzung des Stroms wichtig, mit dem sie zum Leuchten gebracht werden. Die Forscher der EMPA-Abteilung „Technologie und Gesellschaft“ haben dazu den „environmental break-even point“ errechnet, also die Brenndauer, nach der zwei unterschiedliche Lampen die Umwelt gleich stark belasten. Lässt man nun eine Glühbirne und eine Energiesparlampe mit „europäischem“, also grösstenteils in Kohle- oder Gaskraftwerken produziertem Strom, brennen, so ist die Umweltbilanz der Energiesparlampe bereits nach 50 Stunden besser als diejenige der Glühbirne. Mit „sauberem“ Strom aus Schweizer Wasserkraft, dauert es immerhin 187 Stunden (oder knapp acht Tage), bis die Energiesparlampe der Glühbirne ökologisch überlegen ist.

Fazit: Wer seine Beleuchtung umweltverträglich gestalten will, sorgt als erstes dafür, dass sein Elektrizitätswerk sauberen Strom ins Haus liefert – und zwar wirklich sauberen Strom, sprich: solchen, der nicht aus Pumpspeicherwerken stammt, die Strom aus europäischen Kohle- und Atomkraftwerken „veredeln“. Wer noch mehr tun wird, besorgt sich – zweitens – Energiesparlampen, oder – drittens – wo es sinnvoll ist, gleich die noch viel sparsameren LED-Leuchten. Oder verbringt einfach wieder einmal einen Abend bei Kerzenschein.

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«Dreckiges» Uran in Schweizer AKWs – noch bis 2020

In zwei Schweizer AKWs kommen Brennelemente zum Einsatz, die wiederaufbereitetes Uran aus der hoch verseuchten russischen Atomanlage von Majak enthalten – und dies entgegen anderen Beteuerungen noch mindestens 10 Jahre lang.

Atomanlage Majak

Jahrelang gab sich die Axpo unwissend. Man habe keine Hinweise darauf, woher das Uran stamme, das in den Brennelementen der AKWs Beznau und Gösgen (an dem die Axpo zu 37 Prozent beteiligt ist) eingesetzt wird. Auch in der «Umweltdeklaration», die die Axpo 2008 für Beznau erstellen liess, ist nichts Konkretes zu finden.

Anfang September jedoch musste Axpo-CEO Manfred Thumann in der «Rundschau» eingestehen, «dass ein Teil des Urans leider auch aus Majak kommt». Und «Majak» ist nicht nur eine Stadt im Ural mit einer Wiederaufbereitungsanlage für Uran, sondern auch Synonym für eine der am stärksten verseuchten Gegenden der Welt. 1957 war in der dortigen Atomanlage ein Tank explodiert, die Lebens- und Arbeitsbedingungen sind katastrophal.

Der fragliche Liefervertrag für Brennelemente sei «praktisch erfüllt», erklärte Thumann in der «Rundschau» auf die Frage, ob die Axpo weiterhin wiederaufbereitetes Uran aus Majak beziehen werde. Nun zeigen Recherchen des Beobachters aufgrund eines offenen Briefs von Greenpeace, dass das nicht stimmt. Thumann habe sich bei seiner Aussage in der «Rundschau» einzig auf den Vertrag bezogen, der bei der Erstellung der Umweltdeklaration gültig war, räumt Axpo-Sprecherin Anahid Rickmann ein: «Bei diesem Vertrag ist die Lieferung der Brennelemente erfüllt.» Ein anderer Vertrag, der 2005 abgeschlossen wurde, läuft jedoch bis 2020 weiter. Vom russischen Vertragspartner der Axpo, dem Brennelemente-Hersteller TVEL, ist bekannt, dass er wiederaufbereitetes Uran aus Majak bezieht. Die Axpo erklärt nun, sie führe «andauernde, umfangreiche Abklärungen zur Herkunft des wiederaufbereiteten Urans».

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Schnitzeljagd à la BKW

Tue Gutes und sprich darüber. Das uralte Motto hat sich in den vergangenen Jahren bei den Bernischen Kraftwerken (BKW) zu einem regelrechten Sport entwickelt. Wer im BKW-Versorgungsgebiet wohnt und Zeitung liest, kommt kaum nach bei all den Meldungen über erdwärmegeheizte Tropenhäuser, Solardächer und Windkraftanlagen (die dann allerdings schon bei der Einweihung kleingeredet werden). Hauptsache, der bernische Stromkoloss kann sich als umweltfreundliches Unternehmen präsentieren.

Als neusten Coup präsentiert die BKW jetzt den «Energiepass». In der – selbstverständlich klimaneutral gedruckten – Broschüre sind neun Ausflugstipps aufgeführt, bei denen man die CO2-freie Stromproduktion und das BKW-Engagement für das Klima in einer Art Schnitzeljagd besuchen kann: die Photovoltaikanlage auf dem Mont Soleil etwa, den Windpark auf dem Mont Crosin oder das Wasserkraftwerk Aarberg. Bei jeder Anlage kann man sich den Besuch per Stempel bestätigen lassen. Wer drei Stempel vorweist, erhält ein Ecoman-Stromspargerät und kann an einem Wettbewerb teilnehmen. Als Hauptpreis winkt eine Fahrt mit einem Solar-Katamaran.

Alles schön und gut, aber die BKW wäre nicht die BKW, wenn sie bei dieser Gelegenheit nicht auch noch gleich ihre beiden Lieblingskinder ins rechte Licht rücken würde: So ist laut BKW auch der Strom, der im Pumpspeicherwerk an der Grimsel und im AKW Mühleberg produziert wird, CO2-frei und somit klimafreundlich.

Das ist milde ausgedrückt gewagt. Selbst BKW-Konkurrentin Axpo räumt mittlerweile ein, dass Atomstrom die Atmosphäre mit rund drei Gramm CO2 pro Kilowattstunde Strom belastet – Angaben übrigens, die Greenpeace stark in Zweifel zieht.
Und auch im als CO2-frei propagierten Pumpspeicherwerk an der Grimsel ist der Strom nicht so sauber, wie es die BKW gerne darstellt: Nacht für Nacht werden im Berner Oberland tausende von Kilowattstunden Strom aus ausländischen Kohlekraftwerken (und AKWs) gebraucht, um die Speicherseen zu füllen. Dass mit «dreckigem» Strom hinaufgepumpte Wasser wird tagsüber wieder in Strom verwandelt, den man dann als «CO2-frei» verkaufen kann.

Mit den tatsächlichen Vorgängen hat das wenig zu tun. Aber mit Imagepflege sehr viel.

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