Erneuerbar und kleingeredet

«Dirty kampaigning» gehört eigentlich eher zum Instrumentarium in amerikanischen Präsidentschaftswahlkämpfen als in Diskussionen über die Stromproduktion der Zukunft. In den vergangenen Wochen feierte jedoch das Schlecht- oder zumindest Kleinreden Urständ – auch in einigen Medien.

«Feuerwehr lässt Häuser abbrennen», war im August gleich in mehreren Presseerzeugnissen zu lesen. Grundlage war eine Meldung der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA), wonach beim Brand eines Hauses mit einer Fotovoltaikanlage für die Feuerwehrleute die Gefahr eines Stromschlags bestehe. Nicht, dass bisher auch nur ein einziges Feuerwehrkorps in der Schweiz vor einer solchen Situation gestanden hätte: Einzig aus Deutschland, wo dank staatlicher Förderung massiv mehr Fotovoltaikanlagen in Betrieb sind als hierzulande, sind zwei Fälle bekannt, in denen die Feuerwehr zum eigenen Schutz Häuser abbrennen liess.

Und für den Fall dass sich, die Gleichung «Fotovoltaik = erneuerbare Energie = gefährlich» nicht tief genug ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hätte, doppelte BKW-Verwaltungsratspräsident Kurt Rohrbach anfangs Monat beim «Erneuerbaren-Bashing» nach: Windenergie aus einheimischer Produktion, so erklärte er bei der Eröffnung des BKW-Windparks auf dem Mont Crosin, sei «nicht die Patentlösung für die Gewährleistung der zukünftigen Stromversorgung der Schweiz». Und selbst die um acht auf 16 Turbinen aufgestockte Anlage auf dem Mont Crosin trage «weniger als ein Promille» zur Schweizer Stromproduktion bei. Das sei «bescheiden». Tiefe Überzeugung und echtes Engagement klingen anders.

Gut, dass die «Berner Zeitung» zu ihrem Bericht eine Grafik stellte, damit auch der letzte Leser begriff, dass das mit der Windenergie nichts werden kann, und dass weitere Atomkraftwerke unumgänglich sind. Davon, dass die Schweizer Stromversorger und Politiker jahrzehntelang nicht das geringste Interesse an Investitionen in erneuerbare Energien gezeigt haben, sagt die Grafik leider nichts. Stattdessen durfte am Tag darauf beim «Tages-Anzeiger» Chefredaktor Markus Eisenhut in die Tasten greifen. Der Titel: «Auf Atomkraft kann man nicht verzichten». Womit auch das wieder einmal gesagt wäre.

Wie die «BZ» die Atomkraft sieht...

... und welchen Anteil sie an der Energieproduktion tatsächlich hat.

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Über Thomas Angeli

Redaktor beim «Beobachter» in Zürich, Recherchetrainer
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