Kiesbetrieb will Kohle machen

Streit am Obersee: Die Kibag AG will Seefläche aufschütten und das Ufer mit Luxuswohnungen verbauen. Der Gemeinderat in Wangen SZ begrüsst das Projekt, doch der Widerstand wächst.

Geht es um den Schutz des Seeufers, nimmt es der Gemeinderat von Wangen SZ sehr genau. Manchmal zumindest. So verboten die Behörden im Sommer 2009 ein kleines, halbtägiges Musikfestival auf dem sogenannten Badi-Inseli im Ortsteil Nuolen. Es sei «nicht auszuschliessen, dass eine Veranstaltung im vorgesehenen Umfang und Stil einen Einfluss auf das ufernahe Gebiet und die dort vorhandenen Pflanzen haben könnte», schrieben die Behörden den Organisatoren vom Verein Ripa inculta («Unbebautes Ufer»).

Vor allem aber war nicht auszuschliessen, dass das Open Air den Widerstand gegen ein Projekt gestärkt hätte, das auf das «ufernahe Gebiet» einen ungleich grösseren und bleibenderen Einfluss hätte. In der Bucht, die vom Badi-Inseli abgeschlossen wird, will die Kibag AG die 600 Meter lange Überbauung «Nuolen See» mit über 60 Luxuswohnungen realisieren – auf dem Gelände ihres bisherigen Kies- und Betonwerks. Der Gemeinderat ist Feuer und Flamme für das Projekt.

Bei der Realisierung würde nicht bloss die Bevölkerung von Nuolen um etwa einen Drittel wachsen, auch die Bucht sähe völlig anders aus. Denn die Bauherrschaft plant nichts weniger, als insgesamt 25000 Quadratmeter Seefläche – Kibag-Geschäftsführer Guido Ernst spricht von «netto rund 8500 Quadratmetern» – aufzuschütten und in Bauland an bester Lage zu verwandeln. Dafür lässt sich problemlos ein Preis von 3000 Franken oder noch mehr erzielen – pro Quadratmeter, versteht sich. Der Kibag, die neben ihrem Kerngeschäft auch Golfplätze und Hafenanlagen betreibt und Immobilien hält, winkt so der grosse Reibach.

Die «Hunzikerbucht» heute...

... und nach den Plänen der Kibag.




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Über Thomas Angeli

Redaktor beim «Beobachter» in Zürich, Recherchetrainer
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Eine Antwort zu Kiesbetrieb will Kohle machen

  1. Spörri schreibt:

    Das Kibag Projekt gefällt mir. Da wird eine erschöpfte Kiesgewinnung durch schönes Wohnen ersetzt.
    Ich mag es all den Menschen gönnen die von der ausgesprochen schönen Umgebung profitiieren werden. Natürlich, Beton ist nicht Natur, aber der Mensch ist es.

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