Schöngefärbte Hochspannung

Auf den ersten Blick sieht die Medienmitteilung nach einer guten Nachricht für all diejenigen aus, die dafür kämpfen, dass Hochspannungsleitungen nicht weiter die Landschaft verschandeln: «Hochspannungsleitung Wattenwil-Mühleberg soll teilweise in den Boden», titelte das Bundesamt für Energie (BFE) am 29. April – Schönfärberei pur. Kernaussage des Communiqués ist nämlich eine ganz andere: Die Bernischen Kraftwerke AG (BKW) kann ihr umstrittenes Projekt einer 33 Kilometer langen Übertragungsleitung zwischen dem AKW Mühleberg und Wattenwil im Stockental allen lokalen Widerständen zum Trotz mit dem Segen des Bundes bauen. Lediglich auf einer Strecke von 3,3 Kilometern, auf der die Leitung ein Gebiet durchquert, das im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) verzeichnet ist, muss sie in den Boden verlegt werden.

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Das Trassee der übrigen knapp 30 Kilometer werden künftig bis zu 90 Meter hohe Masten zieren – eine Tatsache, die die BKW im Verlauf des Plangenehmigungsverfahrens auch schon mal durch geschickte Fotomontagen zu verschleiern versuchte. Der «Interessengemeinschaft Umweltfreundliche Hochspannungsleitung Wattenwil – Mühleberg», (IG-UHWM) die seit Jahren für eine Erdverlegung kämpft, bleibt einzig noch der – äusserst kostspielige und wenig aussichtsreiche – Weg ans Bundesverwaltungs- und ans Bundesgericht. Dabei hatten die Freileitungsgegner vor ein paar Monaten noch Hoffnung geschöpft. Der bernische Grosse Rat hatte im November 2009 überaus deutlich eine Motion gutgeheissen, die eine Erdverlegung an denjenigen Stellen verlangt, wo «Anwohner betroffen sind und geschützte Landschaften beeinträchtigt werden». Anwohner sind jedoch praktisch auf der ganzen Strecke betroffen – und sei es auch «nur», weil durch die Leitungsungetüme Naherholungsgebiete und Aussichten ein für allemal zerstört werden.

Bei der BKW ist man bemüht, den Ball nach dem fast uneingeschränkten Triumph flach zu halten. Man werde die Verkabelung des Teilabschnitts im BLN-Gebiet «eingehend prüfen», teilt das Unternehmen mit. Und zum Grossratsentscheid schreibt der Berner Stromriese: «Auch dieses Begehren und dessen Konsequenzen werden von der BKW geprüft.» Wer weiss, wie heftig die BKW sich seit Jahren gegen dieses «Begehren» und dessen – ernsthafte – Prüfung wehrt, kann sich eines Eindrucks nicht erwehren: Schönfärberei beherrscht man nicht nur beim BFE.

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Über Thomas Angeli

Redaktor beim «Beobachter» in Zürich, Recherchetrainer
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