Mathematik à la SP

Sie tönt halt schon verdammt sexy, die Zahl 100 000. Viel besser als, sagen wir mal, 41 000 oder 57 328. Irgendwie runder halt. Und der Ausdruck «einige Zehntausend» kann mit der magischen «100 000» sowieso nicht mithalten.

[picapp align=“left“ wrap=“true“ link=“term=blackboard&iid=3119961″ src=“9/8/2/b/Boy_playing_school_670e.jpg?adImageId=11622315&imageId=3119961″ width=“234″ height=“188″ /]Das weiss man auch bei der SP Schweiz. Nicht nur, dass man dort aus leidvoller Erfahrung die Mühen kennt, die mit der magischen sechsstelligen Zahl verbunden sind. Für eine Volksinitiative 100 000 Unterschriften zusammenzukriegen ist alles andere als einfach.
Mit einer Volksinitiative 100 000 Arbeitsplätzen zu versprechen erscheint da wesentlich einfacher. Genau dies tut die SP mit ihrer soeben lancierten «Cleantech-Initiative». Deren Forderungen sind das Gebot der Stunde: eine Energieversorgung, die auf erneuerbaren Energien beruht, die Förderung von Investitionen in ebendiese Energieformen sowie Vorschriften zur Energieeffizienz, die sich an der jeweils besten verfügbaren Technologie orientieren. Daran gibt es nicht viel auszusetzen.

Die Behauptung der SP, die Förderung der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz bringe 100 000 neue Jobs, ist hingegen äusserst gewagt. Dass «Cleantech» Arbeitsplätze schafft, bezweifelt niemand. Allein der Boom bei den Sonnenkollektoren spricht Bände. Aber gleich 100 000? Hat nicht erst vor ein paar Wochen die Beratungsfirma McKinsey, die das Potential im Auftrag des Bundesamts für Energie untersucht hat, die Zahl 25 000 genannt?

Sie hat. Bloss hat McKinsey viel zu konservativ gerechnet. Sagt die SP. Ein Preis von 50 Dollar pro Barrel Öl sei eine zu tiefe Annahme, die heutige Einspeisevergütung für Strom aus erneuerbaren Energien werde dank der Initiative sowieso angehoben und damit einen Boom auslösen, und auch die Mobilität sei in der Studie viel zu wenig berücksichtigt. Ausserdem spreche McKinsey von 25 000 Arbeitsplätzen, die direkt und 50 000 Jobs die durch den Export von innovativer Schweizer Technologie indirekt geschaffen werden könnten. Das jedenfalls behauptete bei der Lancierung der «Cleantech-Initiative» der bernische Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher. Wie aus der Summe von 25 000 und 50 000 plötzlich 100 000 werden, bleibt sein Geheimnis.

Bei McKinsey übrigens liest sich das ein wenig anders: Massnahmen im Gebäude-, Transport- und Energiesektor würden rund 25 000 Arbeitsplätze in der Schweizer Wirtschaft schaffen, schreibt auch das Beratungsunternehmen. Die weltweiten Bestrebungen nach einem effizienteren Einsatz oder Ersatz von fossilen Brennstoffen könnten zudem weltweit etwa 48 000 neue Jobs schaffen, davon «ca. 16 000 Arbeitsplätze in der Schweiz».

Wir rechnen nach:

25 000
+ 16 000
= 41 000
=======

Nun sind Voraussagen bekanntlich ein schwieriges Geschäft und Beratungsunternehmen alles andere als unfehlbar. Ein paar tausend Jobs mehr oder weniger liegen da durchaus im prognostischen Streubereich und ein wenig Aufrunden drin. Aber gleich um das Anderthalbfache?

Da ist der SP eigentlich nur zu wünschen, dass sie bei der Unterschriftensammlung etwas genauer rechnet. Sonst schafft sie statt 100 000 Arbeitsplätze nicht einmal eine gültige Initiative.

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Über Thomas Angeli

Redaktor beim «Beobachter» in Zürich, Recherchetrainer
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