Science-Fiction im Keller

Vertrauen einflössende Zertifikate und wohlklingende Auszeichnungen haben schon manchem Geschäft auf die Sprünge geholfen. Auf der Homepage der österreichischen Firma Aquapol ist beides zu finden. Das «Aquapol-Mauertrockenlegungssystem» kommt ohne Strom aus, funktioniert allein durch «Raumenergie», «Kapillarkräfte» und «Magnetokinese». Es kann ein europäisches Patent vorweisen, einen «EMV-Prüfbericht» vom TÜV-Rheinland, sein Erfinder Wilhelm Mohorn ist Träger der «Kaplan-Medaille für Grundlagenforschung» und noch vieles mehr.

Mit einer grossen Publireportage auf newsnetz.ch warb Aquapol im Januar auch wieder einmal in der Schweiz. Sie könne «Aquapol auf jeden Fall weiterempfehlen», strahlte Barbara Weil aus Gunten BE darin: «Das Klima ist allgemein angenehmer und der Boden viel trockener.» Das Gleiche beteuert sie auch gegenüber dem Beobachter.

Der derart gepriesene Apparat sieht erstaunlich unspektakulär aus, und auch das Innere gemahnt nicht an revolutionäre Technik: Ein paar Kupferkabel und Stangen, je nach Modell zwei parallel angeordnete grüne Scheiben, mehr ist da nicht.

Aquapol vermeldet stolz 43’000 Häuser, die mit dem Apparat seit 25 Jahren trockengelegt worden seien. Nachprüfen lässt sich das nicht, und unabhängige wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit des Geräts gibts nicht. Aquapol zitiert in einer Stellungnahme an den Beobachter zwar die Professoren Karl Ernst Lotz und Josef Gruber, bloss: Beide sind im Vorstand der «Österreichischen Vereinigung für Raumenergie». Deren Präsident: Wilhelm Mohorn, Aquapol-Erfinder und -Vermarkter – und Freund der Scientologen (siehe nachfogender «Hintergrund»). Unabhängigkeit sieht anders aus.

Eine Wirkung jedoch hat das Wunderding zweifelsohne – auf das Konto der Firma Aquapol und ihrer Franchisenehmer. 6000 bis 13’000 Franken kostet das Gerät. Michael Müller, Professor an der Hochschule Magdeburg-Stendal, der den Apparat im Auftrag des ZDF auseinanderschraubte, attestierte den Komponenten einen Materialwert von etwa 20 Euro. Aquapol verkaufe halt «keine Geräte zur Mauertrockenlegung, sondern eine umfassende Dienstleistung», lässt Erfinder Mohorn über seinen Mediensprecher ausrichten. Dazu gehören eine «umfassende Mauerwerksdiagnostik» sowie eine «Fülle von aussagekräftigen Messungen und Spezialdienstleistungen».

Auch die Zertifikate und Auszeichnungen entpuppen sich als mehr Schein als Sein. Der EMV-Prüfbericht des TÜV bescheinigt lediglich die elektromagnetische Verträglichkeit, sprich: Aquapol, das keinen Strom benötigt, stört keine elektrischen Geräte. Auch das Zertifikat des «Europäischen Arbeitskreises für Mauerwerksanierung» taugt nach Aussage eines Fachmanns, der nicht genannt werden will, nicht viel: «Das ist eine Vereinigung von Zauberkästchen-Bauern, die sich gegenseitig zertifizieren.» Und ein Patent kann jeder anmelden, der etwas erfunden zu haben meint. Ob die Erfindung funktioniert, spielt keine Rolle.

Fachleute, die nicht mit Aquapol verbandelt sind, bezweifeln die Wirkung des Geräts geradeheraus: «Das System kann keine entfeuchtende Wirkung entfalten», schreibt etwa das deutsche Fraunhofer-Institut für Bauphysik. Ähnlich sieht das Rainer Bunge, Professor für Umwelttechnik an der Hochschule Rapperswil: «Aus wissenschaftlicher Sicht steht fest, dass Aquapol weder funktioniert noch überhaupt theoretisch funktionieren kann.» Die Erklärung für die Wirkungsweise von Aquapol lese sich, «als ob jemand mit dem Zufallsgenerator über ein Physiklexikon gefahren wäre». Auch vom angeblichen «Gravomagnetismus», mit dem Aquapol funktionieren soll, halten die Forscher nicht viel: «Die gravomagnetische Energie wurde noch nie in einem wissenschaftlichen Versuch nachgewiesen», schreibt der Physiker Kolja Prothmann vom Max-Planck-Institut: «Die einzige mir bekannte Referenz bezieht sich auf die Science-Fiction-Serie ‹Mondbasis Alpha 1› aus dem Jahr 1977.»

Lesen Sie den vollständigen Text samt Hintergründen zu den Beziehungen der Firma Aquapol zu Scientology sowie das Diskussionsforum zum Artikel auf beobachter.ch


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Über Thomas Angeli

Redaktor beim «Beobachter» in Zürich, Recherchetrainer
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