Ein Viertelherz für Kaffeetrinker

Kann man frühmorgens schon vor dem ersten Schluck Kaffee ein gutes Gewissen haben? Ja, vermeldet das Bundesamt für Energie (BFE) in einer Medienmitteilung pünktlich zum «Energy Day 09». Ab sofort, so die frohe Botschaft, würden nebst Geschirrspülern, Waschmaschinen. Kühlschränken und Autos auch Kaffeemaschinen mit einer Energieetikette gekennzeichnet. Vorbei also die Zeiten, als man den Tag mit einem schlechten Gewissen begann, weil das lebenswichtige Haushaltgerät die ganze Nacht fleissig und mit viel Strom das Wasser nah am Siedepunkt gehalten hatte. Ab sofort kann jeder und jede Koffeinjunkie beim Kauf einer neuen Kaffeemaschine auf den ersten Blick erkennen, wie effizient diese arbeitet. «Energiebewusst geniessen» sei nun möglich, verspricht das BFE.

Wer sich nun freut, dass er sich künftig nur noch wegen der Aluverpackung des Kaffeepulvers ein klein wenig als Umweltsünder fühlen muss, tut dies zu früh. Ganz am Schluss der Medienmitteilung vermeldet das BFE nämlich, dass die Etikette vorerst nur «auf freiwilliger Basis» eingeführt werde, bis ein europäischer Standard vorliege.

Eine Deklaration auf freiwilliger Basis? Das hatten wir doch schon einmal. Als die Energieetikette im Jahr 2002 für Haushaltgeräte wie Kühlschränke und Geschirrspüler einführte, stellten Konsumenten- und Umweltschutzorganisationen nach einem knappen Jahr fest, dass nur rund die Hälfte der Geräte korrekt deklariert waren. Erst die Einführung des Obligatoriums verbesserte die Situation, und selbst dies nur schleppend.

«Damit die Etikette etwas bringt, muss sich obligatorisch sein, und es braucht zwingende Mindestanforderungen an die Geräte», erklärt der Zürcher Energieberater Conrad U. Brunner, Mitglied der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz (SAFE). Die freiwillige Etikette für Kaffeemaschinen sei keine halbherzige Lösung, sondern «bestensfalls eine viertelherzige. Ein halbes Herz hat immerhin eine Kammer, die funktioniert.»


Bookmark and Share

Advertisements

Über Thomas Angeli

Redaktor beim «Beobachter» in Zürich, Recherchetrainer
Dieser Beitrag wurde unter Abteilung (Des-)Information abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Ein Viertelherz für Kaffeetrinker

  1. Stefan schreibt:

    Sehr schön geschrieben – wie alle anderen Einträge auch. Herzliche Gratulation zu diesem super Blog!

  2. Pingback: Energieeffizienz: Abwarten und Kaffee trinken « Thomas Angeli beobachtet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s