Klima der Hyperaktivität

In der Klimapolitik fällt der Bundesrat vor allem durch Mutlosigkeit und Passivität auf. Andere hingegen sind aktiv. Sehr, sehr aktiv.

IMG_9707Im Kampf um Aufmerksamkeit gibt es zahlreiche Methoden, ins Geschäft zu kommen. Man kann etwa riesige Werbeaktionen laufen lassen (was viel Geld braucht), die Online-Welt mit Spam zukleistern (was wenig Geld braucht), Pressekonferenzen veranstalten, Eisblöcke schmelzen lassen, oder sonst irgendwie versuchen, sich in den Medien ein (Sende-) Plätzchen zu ergattern.
Greenpeace setzt auf das «sonst irgendwie». Die Umweltorganisation, die mit spektakulären Aktionen gegen Walfänger und Atomtests einiges erreicht hat, versucht die Erfolgsstrategien ihrer frühen Jahre nun auf das Thema Klimawandel anzuwenden.
In der vergangenen Woche, als der Bundesrat seine – zugegebenermassen mutlosen – Massnahmen zum Klimaschutz präsentierte, bezog Greenpeace ein «Klima Camp» auf dem Gornergletscher bei Zermatt – und bombardierte von dort aus Medien und Öffentlichkeit mit Meldungen über die eigenen Grosstaten.
«Unter grossem körperlichen Einsatz», so erfuhr die Welt etwa am 25. August, hätten Greenpeace-Aktivisten dort «die grösste Botschaft aller Zeiten» ausgelegt: Ein 140 auf 60 Meter grosses Transparent mit der Aufschrift «Our Climate – Your Decision», gerichtet an die Staatsoberhäupter der Erde.
Tags darauf erhielt dann der Bundesrat «Klartext zur Klimapolitik in Stein gemeisselt». Konkret: Unter Aufbietung aller verfügbaren – und willigen – Medien der Bundesstadt schraubten Greenpeace-Leute vor dem Bundeshaus in Bern eine Steinplatte fest (selbstverständlich vom Gornergletscher), auf der die Umweltorganisation ihre Forderungen an die Klimapolitik festhielt.
Doch damit nicht genug: Am Freitag erklommen fünf Greenpeace-Aktivisten aus dem Klima Camp die Dufour-Spitze und hissten dort – Überraschung! – ein Transparent. Und am Samstag baute man auf dem Gornergletscher aus Steinen ein drei Meter hohes «Mahnmandli» fürs Klima. Auch das war Greenpeace ein Communiqé wert.

Für den Klimagipfel im Dezember lässt dieses spätsommerliche Klima der Hyperaktivität Schlimmes erahnen. Was, wenn die Staatschefs der Welt sich in Kopenhagen ähnlich passiv verhalten wie der Bundesrat (was zu befürchten ist)? Wird dann das «Mahnmandli» auf Matterhorn-Höhe ausgebaut? Transportiert man das «Horu» samt eingemeisselter Botschaft nach New York und schraubt es dort vor dem Uno-Hauptsitz fest? Oder besteigt Greenpeace mit dem allerallerallergrössten Transparent aller Zeiten den Mount Everest? Wir warten gespannt.


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Über Thomas Angeli

Redaktor beim «Beobachter» in Zürich, Recherchetrainer
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Eine Antwort zu Klima der Hyperaktivität

  1. peterswurst schreibt:

    „Hitler ist an der Erderwärmung schuld! Die Klimakonferenz-Religion und ihr Schwachsinn“

    http://freidemzen.wordpress.com/2009/12/08/hitler-ist-an-der-erderwarmung-schuld-die-klimakonferenz-religion-und-ihr-schwachsinn/

    Die Erderwärmung ist für alle Beteiligten eine tolle Sache – die Geschichte wird ausgeschlachtet wie ein zu blutig geratener Massenmord – und alle wollen dabei sein!

    Kritik ist hier nicht erlaubt – wie im besten totalitären Staate – und wo sind die anderen Szenarien – tot geschrieben!

    Weltuntergangsgaudi für alle!

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