Wie kalte Betten warm werden

Bild AminonaDa staunt der Laie, und der Nicht-Walliser wundert sich: Am Montag hat der Gemeinderat von Mollens alle Einsprachen gegen das «Aminona Luxury Resort & Village» oberhalb von Crans-Montana abgelehnt. Der russische Konzern Mirax darf nun auf dem Hochplateau, wo schon über 33 000 kalte Betten stehen, ein Luxus-Feriendorf mit weiteren 900 Betten aufstellen. Im Endausbau sollen gar 2500 neue Betten oberhalb von Montana stehen.

Die Gemeinde Mollens zeigt damit, wie man gleichzeitig so tun als ob und es doch nicht lassen kann. Im Kampf gegen den grassierenden Zweitwohnungsbau und exorbitante Bodenpreise – zu Beginn des Jahrzehnts wurde oberhalb von Siders jährlich rund 1,4 Hektaren Land mit Zweitwohnungen zubetoniert – beschlossen die sechs Gemeinden auf dem Hochplateau im Jahr 2007, Baubewilligungen künftig nur noch zu erteilen, wenn mindestens 70 Prozent einer Liegenschaft dauernd bewohnt oder gewerblich genutzt werden. Der Entscheid, der mit einer überwältigenden Mehrheit zustande kam, wurde eben erst vom Bundesgericht abgesegnet.

Die Bestimmung würde damit auch in Mollens gelten. «Würde», denn die im Baureglement erwähnte «gewerbliche Nutzung» macht vieles möglich. Der Gemeinderat von Mollens (dessen Präsident laut «Le Temps» vor lauter Freude über die abgewiesenen Einsprachen «im Glück badet») verpflichtet den russischen Konzern, die Luxuswohnungen während mindestens 20 Jahren als Hotel zu betreiben – womit aus den «kalten» Betten im Handumdrehen «warme» werden. Gebaut werden darf zudem nur, wenn der Bund und der Kanton Wallis einer Befreiung von der Lex Koller zustimmen – worin der Kanton Wallis eine gewisse Übung hat. Umweltorganisationen haben bereits angetönt, dass sie die erteilte Baubewilligung allenfalls bis ans Bundesgericht bekämpfen wollen.

Vielleicht wären die Investoren aber auch sonst gut beraten, sich die Sache noch einmal zu überlegen. Ihre Luxusanlage wollen sie nämlich in unmittelbarer Nähe der drei markanten Hochhäuser von Aminona aufstellen. Dass dort überhaupt noch Platz ist, hat einen simplen Grund: Neben den drei Ferienwohnungs-Türmen hätten in den 70er-Jahren noch zwölf weitere hingeklotzt werden sollen. Den Investoren ging aber damals schlicht das Geld aus.


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Über Thomas Angeli

Redaktor beim «Beobachter» in Zürich, Recherchetrainer
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