Eis schmelzen leichtgemacht

Auf dem Berner Waisenhausplatz schmelzt Eis. Leider nicht nur dort, respektive doch nur dort.

gletscher_greenpeaceEin weiterer Beitrag aus der beliebten Reihe «Gute Ideen, schlecht umgesetzt»: Seit dem 12. August stehen auf dem Berner Waisenhausplatz zwei kleine Holzhäuser. Das eine gebaut mit einer Isolation, wie sie in den 70er-Jahren üblich war, das andere nach der Minergie-P-Norm. Im Innern der beiden Häuschen schmelzen zwei Eisblöcke vor sich hin. Unter www.eisblockwette-be.ch kann das Publikum den Schmelzprozess beobachten und gleichzeitig darauf wetten, wieviel vom Minergie-Eisblock am 3. September noch vorhanden sein wird. Mit der Aktion, die von der Stadt Bern getragen und von zahlreichen Organisationen und Firmen unterstützt wird, will man aufzeigen, was eine gute Hausisolation alles bewirken und wieviel Energie man damit sparen kann. «Wir tragen eine grosse Verantwortung für den Klimawandel», lässt sich Adrian Stiefel, Leiter des Stadtberner Amts für Umweltschutz, dazu im «Bund» zitieren.

Dummerweise liessen es die Organisatoren der originellen Aktion nicht dabei bleiben. Stattdessen transportierte man einen 730 Kilo schweren Eisblock hinauf zum Triftgletscher am Sustenpass, um auch dort den Klimawandel (und insbesondere das Abschmelzen der Gletscher) zu dokumentieren. Das ging allerdings – Klimawandel hin oder her – nur per Helikopter. Widersprüchlich sei das schon, räumt einer der Verantwortlichen im «Bund» ein, beeilt sich aber anzufügen, der Flug (der vom Talboden bis zum Standort des Eisblocks knappe fünf Minuten dauert) habe «nur» zwölf Liter Kerosin verbraucht.

Bloss: Um das Abschmelzen des Gletschers zu beobachten, braucht es auf der Trift keinen Eisblock. Der einst stolze Triftgletscher ist in den vergangenen zwanzig Jahren derart dramatisch zurückgegangen, dass seit 2004 eine Hängebrücke über die Schlucht führt, die einst mit Eis ausgefüllt war. Sie wurde eben erst durch eine zweite, noch spektakulärere Brücke ersetzt (siehe Beobachter 12/09).

Der Unsinn des Eisblocks auf der Trift ist offenbar Berggängern aufgefallen. «Lausbübisches Handanlegen» (und die «brennende Sonne») hätten dem Eisblock «den Garaus gemacht», heisst es seit dem 14. August auf der Webseite. Man werde aber das Publikum «in Bälde über einen weiteren Eisblock-Standort in den Alpen informieren». Auf dass weiter munter gegen den Klimawandel geflogen wird.


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Über Thomas Angeli

Redaktor beim «Beobachter» in Zürich, Recherchetrainer
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2 Antworten zu Eis schmelzen leichtgemacht

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