Abteilung (Des-)Information: «Verständlich und fundiert»

Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) will verständlich und fundiert informieren. Hoffentlich bald.

Die schriftliche Anfrage an ENSI-Mediensprecher Anton Treier verlässt die Redaktionsräume des «Beobachters» am 27. April um exakt 14.49 Uhr. Es ist keine schwierig zu beantwortende Anfrage: verlangt werden Zahlen zu den bisherigen Schnellabschaltungen, Leistungsreduktionen und Wiederanfahren in den fünf Schweizer AKWs – insgesamt 20 Werte. Diese sind beim ENSI vorhanden, unterliegen keiner Geheimhaltung und lassen sich in einer Excel-Tabelle zusammenfassen.
Am 29. April kommt das erste Lebenszeichen aus Würenlingen: Sektionschef Markus Straub teilt mit, dass Mediensprecher Anton Treier auf Dienstreise sei, das Thema an einer Medienkonferenz am 11. Mai in Bern zur Sprache kommen werde und man sich freuen würde, ihn dort begrüssen zu dürfen.
Der Journalist, der immer noch denkt, dass das Öffentlichkeitsprinzip auch für ein Nuklearsicherheitsinspektorat gilt, versucht es am Montag 4. Mai erneut und erreicht Mediensprecher Anton Treier. Dieser verweist auf den Jahresbericht, wo die Werte zu finden seien. Der Journalist, leicht beschämt, klickt auf die angegebene Internet-Seite des ENSI: Dort sind zwar tatsächlich Zahlen zu finden, allerdings unvollständige. Der Journalist, der nun schon über eine Woche wartet, bittet nachdrücklich, dass er die Daten bis am 8. Mai geliefert bekommt. Mediensprecher Treier kann leider nichts versprechen.

Am 11. Mai, zwei Wochen nach der Anfrage, geht die angekündigte Medienkonferenz schliesslich über die Bühne, und ENSI-Direktor Ulrich Schmocker präsentiert tatsächlich eine Folie, die entfernt etwas mit der Anfrage des Journalisten zu tun hat. Aber genaue Zahlen? Fehlanzeige.
Als dieser nach der Veranstaltung bei Mediensprecher Treier nachhakt, ist dieser leicht erstaunt: «Das haben wir doch eben gezeigt. Ich hätte Ihnen diese Grafik heute Nachmittag sogar noch gemailt.» Und auf die Kritik des Journalisten, eine unvollständige Grafik statt einer vollständigen Tabelle, und dies zwei Wochen nach der Anfrage, sei nicht eben das, was er unter Medienarbeit verstehe: «Wir wollten halt alle Medien gleich behandeln.»

Eines der strategischen Ziele des ENSI heisst übrigens: «Die Bevölkerung wird verständlich und fundiert informiert.» Der Journalist wartet sehnsüchtig darauf.

© 2009 Thomas Angeli

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Über Thomas Angeli

Redaktor beim «Beobachter» in Zürich, Recherchetrainer
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