Schlusspunkt: In der Herrinnen-Abteilung

Von Thomas Angeli
Beobachter 17/08

Irgendwann in der Entwicklungsgeschichte des Homo sapiens sapiens muss etwas passiert sein, das Menschen dazu bewegt, bestimmte Tätigkeiten bevorzugt in der Gesellschaft des gleichen Geschlechts zu verrichten. In grauer Vorzeit, als es zum Abendessen noch Mammutkeule gab, so stelle ich mir vor, jagten Männer unter Männern, während Frauen unter ihresgleichen Beeren sammelten und Kinder versorgten. In nicht ganz so grauer Vorzeit, so wurde mir erzählt, versammelten sich die Männer im Landsgemeindering zum Bestimmen, was ihre Frauen auch gut finden, und die Frauen trafen sich am Dorfbrunnen, um die Wäsche ihrer Bestimmer zu waschen.

Dieser Drang zur geschlechtergetrennten Gesellschaft hat auch heute mancherorts noch Bestand. In Damenmode-Abteilungen von Warenhäusern etwa. Überschreitet Mann daselbst die unsichtbare Demarkationslinie, die den allgemein zugänglichen vom für Frauen reservierten Teil abgrenzt, so sind ihm zwei Dinge gewiss: irritiert-indignierte Blicke («Was will denn der hier?») und eine herbeieilende Verkäuferin, die fragt: «Suchen Sie etwas Bestimmtes?»Seltsam bloss, dass diese – evolutionär bedingte – Demarkationslinie in Herrenmode-Abteilungen nicht zu existieren scheint. So stand ich kürzlich vor einem Stapel durchaus geschmackvoller Hemden und überlegte, welches gute Stück wohl am besten zu mir passen würde.

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Über Thomas Angeli

Redaktor beim «Beobachter» in Zürich, Recherchetrainer
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